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1. Akt

Angelo:
(alleine auf der Bühne; schaut sich um, ob jemand kommt; schüttet Zucker in eine kleine Gießkanne und rührt um; zieht mit der Gießkanne vom Ausgang Mitte eine Spur bis zu den Sonnenliegen; pfeift entspannt)

Perfetto! Die Ameisen werden sich freuen. Wir haben viel zu viel Arbeit. Es ist gar kein Problem, wenn die Gäste wieder abreisen.

Teresa:
(ruft aus dem Hintergrund)

Angelo!

(von links; aufgebracht)

Maledetto Ragazzo! Warum nicht arbeite? Was du schon wieder machen?

Angelo:
(gießt schnell Blumen)
Blumen gießen, Mama!

Teresa:
(deutet Richtung Küche)
Avanti! Gäste komme gleich! Küche noch nicht fertig, Pizzateig noch nicht fertig, Abwasch noch nicht fertig! Avanti!
(schimpft auf Italienisch)

Angelo:
Immer avanti! Vaffanculo! Maledetta merda!
(schimpft auf Italienisch zurück; links ab)

(Teresa ebenfalls schimpfend links ab)

Bärbel:
(von rechts mit schickem Sommerkleid, Sonnenbrille in den Haaren, trägt Schmuck; mit Strandtasche; schaut zum Publikum)
Einfach herrlich, dieser Blick auf den Lago Maggiore!
(schaut auf die Uhr)

Nur meine Freundin Hilde ist mal wieder zu spät! Seit die mit ihrem Karl verheiratet ist, kommt sie über Bayern nicht mehr hinaus! Hochste Zeit, dass ich ihr das dolce vita zeige!
(klingelt mit einer kleinen Klingel am Tresen; säuselnd)

Angelo ...

Angelo:
(von links mit Geschirrtuch, plötzlich in gebrochenem Deutsch)
Signora haben eine Wunsch?

Bärbel:
(schmachtend)
Ich habe viele Wünsche. Vielleicht geht ja der eine oder andere in Erfüllung!

Angelo:
Ich kann nur erfüllen Wunsch nach Getränke und Essen - leider!

Bärbel:
Ach Angelo! Lass uns mit deinem Auto runter an den See fahren, in eine einsame Bucht! Nur wir
beide ...

Angelo:
(nimmt ihre Hände; kommt ihr ganz nah)
Ich ...

Bärbel:
(erwartungsvoll; kommt ihm noch näher)
Ja?

Angelo:
Ich ... ich habe gar kein Auto!
(geht wieder auf Distanz)
Was kann ich der Signora bringen?

Bärbel:
(enttäuscht)
Jammerschade! Gut Angelo, dann eben einen leckeren Aperol.
(schiebt ihm einen Geldschein in die Hosentasche und lässt ihre Hand gleich drin)
Aperol ... Spritz, mit viel Spritz, ganz viel Spritz!

Angelo:
Si, Signora, mit viel Spritz!
(kommt ihr ganz nahe)
Wenn Signora suchen ihre Hand - sie ist hier!
(zieht sie aus seiner Hosentasche)

Teresa:
(von links; aufgebracht)
Angelo! Was machen schon wieder?
(schimpft mit ihm auf Italienisch und deutet auf Bärbel)

Angelo:
Stupida Mama! Sto impazzendo qui!
(schimpft ebenfalls auf italienisch; links ab)

Teresa:
(freundlich zu Bärbel)
Scusa für Störung, Signora.
(schimpfend links ab)

Bärbel:
Störung? Wobei?
(enttäuscht)
War ja nix!

Teresa:
(wieder von links)
Signora musse entschuldigen. Aber Angelo immer machen
(sie reißt die Augen auf und imitiert ein verführerisches Blinzeln)
und Arbeit bleiben liegen. Alles Geschirr noch schmutzig, Gläser noch nicht sauber! Und dann
diese Ameise in meine Lokal! Ich sagen, Angelo muss kehren wegen Ameisen! Aber was machen
Angelo? Niente!

Bärbel:
Dafür hat er andere Qualitäten! Ihr Sohn ist einfach zu schön fur die Küche!

Teresa:
Musse entschuldigen, komme nicht wieder vor.
(schimpft wieder)
Angelo!
(links ab)

Bärbel:
Puh, die holt mit dem Hintern Luft!
(setzt sich)
Ist das schön hier ...

Angelo:
(von links)
Prego, Signora, Aperol, mit viele Spritz!

Bärbel:
Danke. Hat sie sich wieder beruhigt?

Angelo:
Nessun problema! Ist ganz normal. Mama haben Temperamente wie Ferrari! Sie kann
beschleunigen Blutdruck von 80 auf 180 in drei Sekunden.

Bärbel:
Wie kommt es, dass Sie so gut Deutsch käönnen?

Angelo:
Ich habe ein paar Jahre in Deutschland gearbeitet!
(zum Publikum):

Gut, ich habe 5 Jahre lang als Kellner beim Piedro im Schützenhaus gearbeitet.

Deshalb kann ich auch so gut Deutsch! Aber für die Frauen mache ich hier den typischen Italiener!

Teresa:
(ruft laut aus der Küche)
Angelo! Angelo! Avanti! Abwaschen!

Angelo:
(zuckt mit den Schultern)
Sie hören selber.
(ruft zurück; ärgerlich)
Si Mama! Questa e una bestia!
(schimpft auf italienisch; links ab)

Bärbel:
Abwaschen? Dieses Sahnehäubchen? Das ist doch Perlen vor die Säue geworfen.

Hilde:
(von Mitte; keuchend; in altbackener Wanderbekleidung; schleppt schweren Koffer und große Reistasche)
Ich kann nicht mehr ...

Bärbel:
(springt auf)
Hilde, endlich!
(umarmt sie)
Setz dich erst mal! Du bist ja schweißgebadet.

Hilde:
(lässt sich auf einen Stuhl fallen)
Ich bin fix und fertig.

Bärbel:
Hier, nimm einen Schluck.

Hilde:
(trinkt das Glas mit dem Halm leer und schlürft den letzten Tropfen laut hörbar aus)

Bärbel:
Äh, so war das aber nicht gemeint.
(klingelt)
Angelo!

Hilde:
Das waren bestimmt fünf Kilometer vom Bahnhof bis hierher. Meine Füße!

Bärbel:
Etwa zu Fuß? Dafür gibt es doch Taxis.

Hilde:
Mein Karl hat gesagt, von den Taxifahrern wird man beschissen, so oft man den Geldbeutel
aufmacht.

Bärbel:
Quatsch!
(abfällig)
Was weiß denn dein Karl von der Welt? Seine weiteste Reise war wahrscheinlich bis zum
Stammtisch in der Dorfwirtschaft.

Angelo:
(von links mit Geschirrtuch)
Signora haben noch eine Wunsch?

Bärbel:
Das ist meine alte Schulfreundin Hilde. Ich hab sie uüberredet, mit mir wieder mal Urlaub zu machen
wie früher. Damit sie mal was anderes sieht als ihren Karl und was anderes hört als seine
altbackenen Ansichten! Hilde, dieser attraktive junge Mann ist Angelo, mein
(gekünstelt)
"personal assistent".
(legt ihm vertraulich den Arm um die Schultern)

Angelo:
Bon giorno, Signora. Wir haben Sie schon erwartet. Darf ich noch zwei Aperol mit viele Spritz
bringen?

Hilde:
(schnell)
Für mich bitte nichts. Ich habe selber was dabei.
(zu Bärbel)
Mein Karl hat gesagt, es sei alles saumäßig teuer hier. Und man könne ja nie wissen, was die einem
unterjubeln.
(öffnet Reisetasche)
Zwölf Wasserflaschen müssten reichen, oder?
(trinkt aus einer Flasche)

Bärbel:
(fassungslos)
Wie jetzt? Hast du die alle hier hochgeschleppt?

Hilde:
Ich habe überlegt, ob ich sie einfach am Straßenrand stehen lassen soll, aber mein Karl ist doch
immer so pingelig mit dem Flaschenpfand.

Teresa:
(von links)
Angelo! Avanti!
(schimpft italienisch; wieder links ab)

Angelo:
(schimpft ebenfalls)
Kiu di la bocca!

Dann nur eine Aperol Spritz - geht auf Haus.
(will ab)

Hilde:
Aufs Haus? Dann nehm’ ich auch einen.

Angelo:
Si, dann zwei auf die Haus.
(kopfschüttelnd links ab)

Hilde:
(schaut sich um; blickt nach oben)
Du, wo ist jetzt eigentlich der Berg?

Bärbel:
(verständnislos)
Welcher Berg?

Hilde:
Du hast doch am Telefon gesagt, ich soll mich darauf einrichten, dass wir ordentlich rauf machen.

Bärbel:
(schlägt sich an die Stirn)
Jetzt versteh ich! Deshalb deine Alpenkluft. Du sollst dich darauf einrichten, dass wir ordentlich
einen draufmachen, hab ich gesagt. Wir sind hier am See. Und glaub mir: der einzige Gipfel, den
ich mir in diesem Urlaub vornehme, heißt Angelo! Wie findest du diese Sahneschnitte?

Hilde:
Sahneschnitte? Ich darf nichts Süßes essen. Mein Karl sagt, ich haätte eh einen zu dicken Hintern
und solle abnehmen. Und außerdem muss man hier aufpassen wegen Salmonellen. Und bloß kein
Siramitsu sollen wir essen.

Bärbel:
Tiramisu!
(verdreht die Augen)

Angelo:
(von links mit zwei Gläsern und einem Teller mit Häppchen)
Aperol Spritz und eine Gruß aus die Küche, Antipasti. Prego.

Hilde:
Was für eine Paste?
(abwehrend)
Ich ... ich habe nichts bestellt. Ich habe meine eigenen Landjäger und Brot dabei.

Angelo:
Ok, wäre auf Kosten von die Hause gewesen.
(nimmt Teller wieder)

Hilde:
Aufs Haus?
(nimmt ihm den Teller aus der Hand)
Dann lassen Sie es da.
(leise zu Bärbel)
Kann man das essen? Das sieht so komisch aus.

Angelo:
Ich hole Zimmerschlüssel, dann zeige ich Ihnen Ihr Zimmer, Signora. Oder haben Sie auch keines
bestellt und wollen lieber schlafen auf die Liege?

Hilde:
Wäre das billiger?

Bärbel:
Hilde!

Hilde:
Wieso? Mein Karl sagt, ich soll das billigste nehmen. Wenn man nämlich richtig wandert, könnte
man auf der liederlichsten Matratze schlafen.
(probiert vorsichtig vom Teller; isst dann gierig alles auf)

Angelo:
Wir haben nur schöne Zimmer mit gute Matratze.

Bärbel:
(sehnsuüchtig; erwartungsvoll)
Die Matratzen sollte man vielleicht mal ausprobieren, Angelo ...
(leckt mit der Zunge ihre Lippen ab)

Angelo:
(verheißungsvoll; kommt ihr ganz nah)
Signora ...

Bärbel:
(erwartungsvoll)
Ja, Angelo?

Angelo:
Ich habe schon probiert - funktioniert perfetto!

Teresa:
(von links)
Angelo! Muoviti!
(schimpft italienisch)

Angelo:
(mit Ausdruck des Bedauerns)
Bedaure, Signora.

Sei cosi stupido e tonto!
(schimpft italienisch zurück; mit Teresa links ab)

Bärbel:
(enttäuscht)
Dann probier’ ich wenigstens, was er in der Küche gezaubert hat ...
(sieht den leeren Teller)

Hilde:
(mit vollem Mund)
Die Paste war gar nicht schlecht. Aber hoffentlich kriege ich jetzt nicht Durchfall.

Bärbel:
Wieso Durchfall?

Hilde:
Mein Karl hat gesagt, wenn wir schon unbedingt essen gehen, dann soll ich immer zuerst dich
probieren lassen. Und wenn du nach zehn Minuten nicht aufs Klo rennst, könnte ich auch was
davon nehmen.

Bärbel:
(abfällig)
Dein Karl! Sieht er immer noch aus wie eine Presswurst?

Hilde:
(stolz)
Er hat dieses Jahr drei Kilo abgenommen. Aber letztes Jahr dafür zwanzig Kilo zu. Jetzt kommt er
fast nicht mehr die Treppe hoch und schläft immer im Wohnzimmer auf dem Sofa vor dem
Fernseher.
(erleichtert)
Jetzt hab ich endlich meine Ruhe im Bett. Niemand der schnarcht, niemand der was will und
niemand, der nach Bier und Knoblauch stinkt.

Bärbel:
Wie romantisch!

Hilde:
Ab und zu muss ich ihn halt rumdrehen, sonst liegt er sich wund.

Bärbel:
Seid ihr beiden eigentlich mal richtig zusammen verreist? Dein Jugendtraum war doch immer eine
Weltreise.

Hilde:
Weltreise?
(lacht)
Mein Karl sagt, da sieht man sowieso überall dasselbe und kann hinterher das Wort "Durchfall" in
24 Sprachen sagen.

Bärbel:
Dem hätte ich das Messer auf die Brust gesetzt!

Hilde:
Hab ich ja! Einmal hab ich zu ihm gesagt: Karl, ich will jetzt auch mal Pyramiden, Oasen und
Kamele sehen! Sonst lass ich mich scheiden.

Bärbel:
(neugierig)
Und dann?

Hilde:
Dann ist er zum Zigarettenautomat, hat eine Schachtel "Camel" geholt und gesagt, da sei alles
drauf!

Angelo:
(von links mit Schlüssel; zu Hilde)
Signora, ich trage auch Ihre Koffer auf Zimmer.
(hält Hand auf)

Hilde:
(gibt ihm die Hand und schüttelt sie)
Danke, die Tasche mit den Wasserflaschen bitte auch. Aber nicht fallen lassen, wegen dem
Flaschenpfand.

(beide rechts ab; Angelo mit Gepäck)

Bärbel:
Oh Hilde. So große Plaäne, und dann so ein beschränktes Leben. Mit diesem Wirtshausproleten, der
gerade mal von der Sportschau bis zum Stammtisch denken kann.
(macht es sich auf einer Liege bequem; setzt Kopfhörer auf; wippt zur Musik)

Renate:
(von Mitte; aufgebrezelt; Sonnenbrille; Fächer, ins Off)
Du Trampel! Kannst du nicht aufpassen? Nicht überall anstoßen, die Koffer sind neu - und im
Gegensatz zu dir noch wertvoll! Und geht das vielleicht auch ein bisschen schneller?

Hans-Martin:
(von Mitte; trägt zwei Koffer, zwei Reisetaschen, Schminkkoffer; Strandtasche usw.)
Ja...ja... Re...Re...Renate, du hast Recht.
(er stolpert; Gepäck fällt auf den Boden; er faällt über eine Tasche und landet mit dem Gesicht bei
Bärbel auf der Brust; Bärbel räkelt sich hoch)

Renate:
(herrscht ihn an)
Hans-Martin, bist du eigentlich zu gar nichts mehr zu gebrauchen? Mein Blutdruck! Dieser Mann
ist eine Strafe!

Hans-Martin:
Re...Renate, es sind zu ... zu viele Gepäckstücke ...
(zu Bärbel)
Entschuldigung ...

Bärbel:
(amüsiert)
Ist schon gut.

Renate:
Zu doof, um das Gepäck zu tragen!
(zu Bärbel)
Als wäre er nicht selber schon Strafe genug, mussten wir auch noch seinen Vater mitnehmen. Wo
ist der jetzt wieder? Muss man auf euch beide aufpassen wie auf Kleinkinder?

Hans-Martin:
Er... er ist noch kurz draußen.

Renate:
Was macht er denn da draußen? Ich habe es von Anfang an gesagt: hätten wir ihn doch in die
Kurzzeitpflege gesteckt! Wie soll ich das nur zwei Wochen aushalten! Mein Kreislauf!
(klingelt heftig)
Herrgott! Hallo! Hier sind zahlende Gäste!
(herrscht ihn an)
Hans-Martin, so tu doch was!

Teresa:
(schimpfend und aufgebracht von Mitte; mit Oskar)
No, Signore! No ...

(schimpft; zeigt auf seinen Hosenladen)

Oskar:
Beruhigen Sie sich doch wieder! Ich hatte ja noch nicht mal ausgepackt! Außerdem kommt da nur
pures Wasser! Was anderes habe ich auf der Fahrt von meiner heißgeliebten Schwiegertochter ja
nicht bekommen!

Teresa:
(schimpft unablässig)
No pisciare! Che puzza!
(hält sich Nase zu)

Renate:
Wie bitte? Vor dem Hotel? Hätten wir ihn nur an der Raststätte ausgesetzt! Nichts als Ärger mit
ihm!

Teresa:
Was müssen andere Gäste denken, wenn sehen diese Mann machen pisciare an die Hecke!
(droht)
Signore, wenn nochmal machen, dann ...
(holt eine große Schere hinter dem Tresen)
... dann ich machen finito!

Oskar:
Es ist doch gar nichts passiert! Außerdem ist Urin das beste Mittel gegen Ameisen! Und hier
wimmelt es ja vor lauter Ameisen!

Renate:
(erschrocken)
Ameisen? Ich habe eine Ameisen-Phobie! Hans-Martin, tu doch was!
(steigt auf einen Stuhl)

Hans-Martin:
Ge...ge...gegen die Ameisen? Das beste Mittel ist ...
(will seine Hose aufmachen)

Renate:
Lässt du das sein!
(gibt ihm eine Ohrfeige)
Mein Gott, musst du dich auch noch daneben benehmen! Himmel, was ist das für ein Urlaub!
Diese zwei Vollpfosten und jetzt noch Ameisen!
(kreischend)
Ameisen!

Teresa:
(jammernd)
Oh, formiche! Ameisen! Überall Ameisen! An die Tresen, bei die Liegen, bei die Pool, bei die
Treppe, überall Ameisen! Und ich sagen, Angelo sollen kehren Ameisen weg! Aber was machen
Angelo? Nix, er immer sagen morgen vielleichte oder ubermorgen ...
(schimpft italienisch)

Oskar:
Ruhig Blut, junge Frau! Die Ameisen kriegen wir schon in den Griff, solange ich hier bin! Ich
brauche halt genug zu trinken. Kommen Sie mal mit und zeigen Sie mir, wo die Biester überall
hausen ...

Teresa:
(jammernd)
Ameise seien große Plage! UÜberall! Wenn ich mache 100 kaputt, dann komme morgen 500 zur
Beerdigung! Ameise seien fast so schlimm wie deutsche Touriste ... Porca miseria ...

(beide Mitte ab)

Hans-Martin:
(geht zu Bärbel an die Liege und fasst in ihren Ausschnitt)
Ent...ent...

Bärbel:
(fährt hoch; haut ihm auf die Finger)
Geht’s noch! Grapscher!

Renate:
(außer sich)
Hans-Martin! Du Ferkel!
(gibt ihm eine Ohrfeige)
Hast du sie nicht mehr alle!

Hans-Martin:
A...a...aber meine Bri...Bri...Brille ... ist da drin ...

Bärbel:
(schaut in ihren Ausschnitt; holt eine Brille heraus)
Tatsächlich. Tut mir leid. Die muss bei Ihrem Sturz hängengeblieben sein.
(putzt sie mit dem unteren Rand ihres Strandkleides, das sie hochzieht; dabei kommen ihre Beine zum Vorschein)

Hans-Martin:
(starrt mit weit aufgerissenem Mund und Augen auf ihre Beine)

Renate:
Hans-Martin! Was glotzt du so gierig? Hast du noch nie Beine gesehen?

Hans-Martin:
(entschuldigend)
Do...do...doch, deine. Aber die sind vi...viel dicker.

Angelo:
(von rechts; stolpert über eine Tasche, stürzt; schimpft auf italienisch)
Oh, Merda ...

Renate:
Hans-Martin, siehst du nun, was du angerichtet hast!
(zu Angelo)
Sind Sie der Kellner? Endlich! Einen Prosecco, aber bitte flott! Mein Kreislauf! Dieser Mann bringt
mich noch um den Verstand!

Angelo:
(jammert; hält sich den Knöchel)
Ich habe meinen Knöchel verstaucht, koönne nix mehr gehen, könne nix mehr arbeite!
(weinerlich)
Angelo verdiene kein Geld mehr, müsse verhungern und sterben ...
(hält Hand auf)

Renate:
(abfällig)
Immer diese Bettelei! Gib ihm halt was! Fünf Euro reichen!

Hans-Martin:
(gibt ihm zehn Euro)
Ent...Ent...Entschuldigung ...

Renate:
Auch noch zu dumm zum Zählen?
(nimmt den Schein wieder aus Angelos Hand und gibt ihm fünf Euro)
Er simuliert doch nur! Und nun mein Prosecco, junger Mann!

Hans-Martin:
(gibt ihm hinter ihrem Rücken noch einen Schein)

Renate:
(fährt Angelo an)
Aber bitte etwas plötzlich!

Angelo:
(jammert wieder)
Oh, Angelo könne nix arbeite und musse zu dottore, hole die gelbe deutsche Urlaubsschein und
seien mindestens 14 Tage krank
(weinerlich)
... vielleicht musse auch sterben ...
(hält wieder Hand auf)

Teresa:
(von Mitte mit Besen; scharf)
Angelo!
(schiebt Besen zwischen Angelo und Bärbel)
Avanti! An die Arbeit!
(schimpft auf italienisch; links ab)

Bärbel:
So eine Mutter macht einen wirklich krank.
(rechts ab)

Angelo:
(jetzt wieder normal; zu Renate)
Prosecco für Signora.
(zu Hans-Martin)
Und Signore? Bira spinata? Bier von Fass?

Renate:
Von wegen! Dummheit muss nicht auch noch belohnt werden. Er bringt das Gepäck aufs Zimmer!
Familie Bärgscholz, wir haben zwei Wochen gebucht!

Angelo:
Ah, Signora Bärgscholz. Wir haben für Sie zwei schöne Zimmer mit Balkon und Blick zum Lago
reserviert. Beste Zimmer von ganze Hotel, speziell für Sie, Signora ...
(hält Hand auf)

Renate:
(schiebt seine Hand abfällig zur Seite; barsch)
Eines mit Balkon reicht - für mich. Für ihn und seinen Vater genügt eines zur Straße hin.
(energisch)
Bringen Sie endlich meine Bestellung! Oder dauert hier alles so lange?

Angelo:
Si, Signora.
(kurz links ab)

Hans-Martin:
Re...Re...Renate, ich hätte auch Durst ...

Renate:
Das Gepäck, Hans-Martin! Muss man dir alles zehn Mal sagen!

Hans-Martin:
Ja...ja...ja, Re...Re...Renate ... das Gepäck ...
(hebt Gepäck umständlich auf, lässt es wieder fallen)

Renate:
Mein Blutdruck! Du Versager! Du Nichts! Wo ist nur der Sportler geblieben, den ich mal geheiratet
habe!

Hans-Martin:
Re...Re...Renate, ich bin Sachbearbeiter bei der Gemeindeverwaltung. Da... da bleibt keine Zeit mehr für
Karate und Fußball.

Renate:
Ja, Hundesteuer A bis K, das ist allerdings eine Leistung!

Angelo:
(von links mit Glas Prosecco; hinter seinem Rücken ein Bier)
Salute, Signora, ist gut für Laufe von Kreis! Am besten legen Sie sich hin und entspannen. Tut
Signora bestimmt gut.

Renate:
Endlich jemand, der mitfühlt, was ich mit diesem Mann durchmache. Er ist die achte Plage Gottes!
(legt sich auf die Liege und trinkt genüsslich)

Angelo:
Signore, ich zeigen Ihnen nun Zimmer!
(gibt ihm heimlich das Bier)

Hans-Martin:
Ja...ja... da...danke ...
(trinkt es in einem Zug leer)

Renate:
Hans-Martin, wenn du die Koffer ausgepackt hast, fährst du zur Tankstelle und saugst das Auto
aus. Schließlich hat dein alter Herr mit seinen Broten alles vollgekrümelt!

Hans-Martin:
Du... du... du wolltest ihn ja nicht im Restaurant dabei haben ...

Renate:
(scharf)
Hab ich dich nach deiner Meinung gefragt?
(zu Angelo)
Junger Mann, für heute Abend bitte einen Tisch für uns beide.

Angelo:
(schreibt auf)
Si, Signora, eine Tisch für Sie und Ihre Mann.

Renate:
Nicht er! Sondern für SIE und mich! Er sitzt extra bei seinem Vater! Bitte noch einen Prosecco!

Angelo:
Geht klar, aber mich kann man nicht bestellen. Ich muss arbeiten, sonst Mama wieder schimpfen.

Renate:
(enttäuscht)
Dann eben mit ihm! Aber ohne den Alten!

Angelo:
(schenkt ihr aus der Flasche ein)
Salute.

Renate:
Gibt es hier wirklich Ameisen?

Angelo:
No, Signora, nixe Emense ...
(zu Hans-Jochen)
Kommen Sie?

(nimmt ein Teil des Gepäcks, Hans-Martin den Rest; beide rechts ab)

Renate:
Zum Glück keine Ameisen! Dieser Stress ...
(legt sich zurück; schläft ein)

Oskar:
(mit Teresa von Mitte)
Ich habe doch gesagt, dass das funktioniert.

Teresa:
Perfetto! Signore machen pisciare und Ameisen verschwinden! Aber hier in Lokal noch überall
Ameisen, in Küche, bei Tresen, bei Liegestuhle! Signore musse viele trinken, trinken, trinken ...
(holt Wasserflaschen)

Oskar:
Wasser? Mit Bier funktioniert es besser und schneller.

Teresa:
No problemo!
(holt mehrere Bierflaschen oder zapft am Hahn)
Signore dürfen trinken, soviel er möchte! Geht auf Haus.

(von links qualmt es)

Oskar:
Der Qualm kommt aber nicht von den Ameisen.

Teresa:
(erschrickt; schlägt Haände überm Kopf zusammen)
Porca miseria! Die Herd!
(scharf)
Angelo!
(schnell links ab)

Oskar:
(trinkt genüsslich)
Mhh, das schmeckt! Und die kleinen Krabbeltiere kriegen eine Henkersmahlzeit.
(zieht mit einem Zuckerstreuer eine Spur direkt zur Liege von Renate)
So, eine kleine Umleitung für die Ameisenstraße, ha, ha, ha ...
(trinkt genüsslich; Mitte ab)

Bärbel:
(von rechts mit Zeitschrift; Hilde folgt ihr mit dem Koffer)
Hier steht, dass Männer, die mindestens zweimal monatlich Liebe machen, beste Chancen haben,
über achtzig zu werden.

Hilde:
Zweimal monatlich? Dann müsste mein Karl schon funfzehn Jahre tot sein. Kannst du mir mal
helfen? Ich krieg das Zahlenschloss nicht auf.

Bärbel:
Hast du die richtige Kombination eingegeben?

Hilde:
Ja, mein Karl hat gesagt, ich soll sie mir auf die Hand schreiben.
(zeigt sie)

Bärbel:
Eins - zwei - drei. Super intelligent!

Angelo:
(von rechts)
Gibt Problem?

Bärbel:
Ach Angelo, hast du was zum Aufbrechen? Irgendwie funktioniert die Zahlenkombination nicht.

Hilde:
Aufbrechen? Spinnst du? Der hat hundertfünfzig Euro gekostet.

Angelo:
Momento! Nix aufbrechen.
(legt Ohr ans Zahlenschloss)
Psst, ich höre, wenn rastet ein ...
(öffnet Koffer)
Prego!
(hält Hand auf)

Hilde:
(verdutzt)
Hä? Was ist das?
(nimmt einige Schlüpfer und Dessous heraus)

Bärbel:
(pfeift)
Hätte ich nicht erwartet, dass du auf so was stehst.

Hilde:
Das ... das gehört mir gar nicht. Was ist denn das?
(hält einen String-Tanga in die Höhe)

Bärbel:
Ein String! Unterhose von heute! Ich trage zwar noch einen, aber man findet ihn nicht mehr so
leicht.

Hilde:
Unterhose? Früher konntest du mit einer Unterhose noch ein ganzes Fahrrad putzen. Das reicht ja
nicht mal für den Ständer!
(hält einen vor sich hin)
Und das soll passen?

Angelo:
Wenn man ein paar zusammennäht, vielleichte schon.

Bärbel:
Ach du dickes Hühnerei!
(nimmt Päckchen mit weißem Pulver heraus)

Hilde:
(verständnislos)
Mehl? Das gehört bestimmt einem Bäcker ...

Angelo:
(probiert mit dem Finger)
Nix Bäcker! Das ist heiße Ware!

Hilde:
(berührt es vorsichtig)
Das ist doch kalt.

Baärbel:
Und bündelweise Bargeld. Das stinkt!

Hilde:
(riecht)
Ich riech’ nichts ...

Bärbel:
Hilde, hast du etwa im Zug den falschen Koffer mitgenommen?

Hilde:
Nein, ich habe auf den Koffer extra einen Aufkleber vom Katholikentag ...

Angelo:
(schaut sich Koffer an)
Ich nixe sehe katholische Kleber.

Hilde:
(überlegt)
Obwohl - im Zug saß so ein komischer Typ mit einem Mädchen gegenüber von mir.
(beschreibt Ritchi)
Als der ins Bordrestaurant ging, hat er zu mir gesagt: "Blümchen, pass gut auf meinen Koffer auf,
ich bin gleich zurück". So ein Zufall, der hatte den gleichen Koffer.

Bärbel:
Das hört sich nicht gut an. Du hast seinen Koffer und er jetzt deinen.

Angelo:
Und er wird nicht erfreut sein darüber.
(ab jetzt alarmiert, in gutem Deutsch)
Das ist gefährlich für Sie! Weiß er, wo Sie sind?

Hilde:
Nein! Ich hab ihn nur gefragt, wie weit es noch bis hierher ist.

Angelo:
Oh no! Dann wird er kommen und suchen. Dieser Koffer muss schnell weg. Gehen Sie auf Ihr
Zimmer. Ich bringe Ihnen eine Verkleidung!

Bärbel:
Aber mit dem Bargeld lassen wir es uns vorher gutgehen!
(nimmt ein Bündel heraus)
Angelo, hol den besten Champagner!

Hilde:
Ich versteh’ grad gar nichts!

Bärbel:
Ich versteh’ bloß nicht, warum der plötzlich so gut Deutsch kann! Komm mit, alles andere erklär’
ich dir.

(mit Hilde und dem Koffer rechts ab)

Renate:
(redet im Schlaf)
Hans-Martin... Ameisen ...
(kratzt sich)

Angelo:
(nimmt Melonenstückchen vom Tresen und legt sie vorsichtig auf Renates Liege)
Melone ist lecker, Ameisen mögen Melone ...

Hans-Martin:
(von rechts)
Psst! Kann ... kann ich noch eines ...
(deutet auf Bier)

Angelo:
(leise)
Si, Signore! Kommen Sie!

(beide leise links ab)

Ritchi:
(von Mitte mit Chantal; klingelt ungeduldig)
Wo bleiben diese Spagettis wieder!

Chantal:
(kaut ständig Kaugummi, macht Blasen und zieht ihn mit dem Finger heraus; spielt dauernd mit ihrem Handy)
Ritchi, hier gibt’s doch nicht mal ’ne Shoppingmall! Wo sind wir? Kein WLAN! Und ich habe
Hunger!

Ritchi:
Pups hier nicht rum! Wir sind in Italien. Lago Maggiore.

Chantal:
Lago Maggiore? Das nehm ich auch zum Essen.

Ritchi:
Du Halbhirn! Im Lago Maggiore kann man baden.

Chantal:
So groß? Dann nehme ich ’ne halbe Portion.

Ritchi:
Mann, du Pelzkappe! Noch nie was vom Lago Maggiore gehört? Italien? Romeo und Julia?

Chantal:
Romeo und Julia? Ist das ein Shoppingcenter? Gehen wir da hin, Ritchi? Ich brauche neue Schuhe.
Und meine Fingernägel - ich schwöre, ich muss ins Nagelstudio, neue Clips machen lassen!

Ritchi:
(haut sich die Hand vor die Stirn)
Shoppingcenter - meine Fresse! Geh du lieber noch mal in die Schule!

Chantal:
Schule? Da war ich schon! Voll hammermäßig. Funf Jahre Grundschule mit Ehrenrunde wegen so
einer dummen Lehrer-Tussi, die es nicht gecheckt hat. Und anschließend noch drei Jahre
Gesamtschule. Hab ich aber abgebrochen, weil ich glaube, ich weiß jetzt genug.

Ritchi:
Abgebrochen? Nach drei Jahren? Sei bloß froh, dass ich dich letzte Woche aufgegabelt habe. Was
wäre bloß aus dir geworden?

Chantal:
Alter! Ich schwöre, ich habe in der Führungsetage vom Schulhannes gearbeitet.

Ritchi:
(ungläubig)
Du? In der Führungsetage? Und was hast du da gemacht?

Chantal:
Geputzt! Was sonst! Gehen wir jetzt einkaufen, Ritchi? Ich brauche neue Schuhe! Ich schwöre, ich
habe keine, die zu meinem neuen Kleid passen.

Ritchi:
Ich hab dir doch schon gestern und vorgestern zwanzig Paar gekauft.

Chantal:
Aber die passen doch nicht zu meinem neuen Kleid, Ritchi ...

Ritchi:
Dann werfen wir das neue Kleid weg, dann ist das Problem gelöst.

Chantal:
Aber ich brauch’ dann neue Fingernägel, weil die passen nur zu diesem Kleid. Schau mal, Ritchi, da
geht schon der Lack ab, ich muss ins Nagelstudio, Ritchi ...

Ritchi:
Da gehen wir gleich hin - aber ohne Pediküre und Maniküre, ha, ha, ha ...
(haut auf Tresen; aufgebracht)
Verdammt! Kommt hier bald jemand?

Chantal:
Aber meine Nägel, Ritchi, ich schwöre ...

Ritchi:
Nerv nicht rum!

Chantal:
Aber schau mal meine Nägel, der Lack und viel zu lange ... Ritchi ...

Ritchi:
(nimmt ihre Hand und klopft die Fingerspitzen auf den Tresen)
So, Problem gelöst! Und jetzt halt endlich die Klappe!

Chantal:
Aua, du Arsch! Meine Nagelclips, voll gebrochen! Ritchi, ich kann doch nicht so rumlaufen - mit
abgebrochenen Nagelclips an einer Hand ...

Ritchi:
(macht es mit der anderen Hand genauso)
Unentschieden! Noch Fragen?

Chantal:
Aua, du bist ein Vollidiot, Ritchi!

Ritchi:
(packt sie am Hals)
Nenn mich nie wieder Vollidiot, du kleine Schlampe! Sonst klopf’ ich beim nächsten Mal deine
hohle Birne auf den Tresen!
(haut auf den Tresen)
Kommt hier bald mal wer oder soll ich den Laden zusammenhauen?

Angelo:
(von links; spricht wieder gebrochen)
Signore?

Ritchi:
Na endlich, Pizzaverkäufer! Hast du hier zufällig so ’ne Tusse mit schwarzem Samsonite-Koffer
gesehen?

Angelo:
Hä? Nix verstehen.

Ritchi:
(gibt ihm einen Schein)
Du jetzt besser verstehen? Das hässliche Entlein ist etwa so groß, sie trägt Wanderklamotten und
das Schönste an ihr ist der Koffer! Genau so einer wie dieser hier!

Angelo:
Ah, Sie wollen Koffer kaufen! Hier leider nix, aber vielleicht in Stadt ...

Ritchi:
Hör mal zu, Flachpizza! Wir bleiben vorerst hier und nehmen ein Zimmer! Und eine Flasche
Schampus! Aber schnell!

Chantal:
Aber Ritchi, das hat nur drei Sterne und kein WLAN ...

Ritchi:
Schnauze!

Angelo:
Tut mir leid, aber wir sind voll ausgebucht!

Ritchi:
Warum steht dann draußen "Zimmer frei" und hier hängen noch fünf Schlüssel an dem Brett!
(spielt mit seinem Messer)
Los, ein Zimmer!

Angelo:
Äh, si, hat jemand abgesagt, wir haben jetzt doch noch eine Zimmer frei. Signore, kommen Sie
bitte mit ...

Ritchi:
Geht doch, Berlusconi!

(alle drei rechts ab)

Renate:
(kratzt sich, räkelt sich, wacht auf; nimmt Augenklappe und Ohrenschutz ab)
Was juckt mich denn so ... Hans-Jochen, wo bist du?
(schaut an sich hinab; hysterisch)
Ameisen! Ameisen, überall Ameisen ... Hans-Martin...
(klopft sich ab, hüpft, schüttelt sich)
Hans-Jochen ... die Ameisen beißen ...

Hans-Martin:
(angetrunken von links mit Bier)
Hicks, dann beiß doch zurück ... hicks ... das kannst du doch am besten.

Oskar:
(von Mitte)
Was ist denn hier los? Macht deine Alte einen Balz-Tanz?

Renate:
Hans-Martin ... überall Ameisen ... unternimm doch was ...
(Mitte ab)

Oskar:
(nimmt einen Gartenschlauch von draußen)
Spritz sie halt im Garten ab.

Hans-Martin:
Gerne ... Wasser marsch ...
(wankend nach draußen mit Gartenschlauch; man hört Wasser spritzen)

Renate:
(schreit laut auf)
Aaahhhh, Hans-Martin...

Oskar:
Lösch das Feuer bei deinem Drachen, ha, ha, ha ...

Ende Teil 1

2. Akt

Ritchi:
(sitzt am Tresen, trinkt etwas)
Pass mal auf, Mozzarella!
(gibt Angelo einen Schein)
Sie ist ’ne hässliche Deutsche und hat einen Koffer dabei.

Angelo:
Wir haben viele Frauen mit Koffer, aber nur schöne Frauen. Belle ragazze!

Ritchi:
(spielt mit seinem Messer)
Wenn du mich verscheißern willst, konnte das ins Auge gehen! Aber du bist ja vernünftig!
(zeigt ihm einen großen Schein)
Frag mal deine Pizza-Connection hier im Kaff, ob jemand sie gesehen hat! Wenn du mir hilfst,
gehört er dir.
(packt Handy aus)
Auf dem Selfi im Zug ist das Warzenschwein mit drauf!
(zeigt es ihm)

Angelo:
(schmachtend)
Oh la la, das ist aber schöne Frau ...

Ritchi:
Das ist Chantal, meine Maus! Finger weg von ihr, sonst hast du bald keine mehr!
(haut das Messer auf den Tresen, so dass es stecken bleibt)
Dahinter, die Nacktschnecke meine ich! Der Bahnhofswärter glaubt sich zu erinnern, dass sie sich
nach dem Hotel "Amore mio" erkundigt hat. Und so heißt dieser Laden bekanntlich!

Angelo:
(wiegelt ab)
In diese Dorf heißen alle Hotels so: Amore mio, Amore dio, Amore trio ... Aber ich werde meine
Kollege fragen.

Ritchi:
Gut! Aber beeil dich, ich habs eilig!
(trinkt leer; rechts ab)

Angelo:
Puh, der Typ ist gefährlich!
(ruft nach links in die Küche)
Luft ist rein! Sie müssen verschwinden von hier!

Bärbel:
(von links mit Hilde)
Aber zuerst verprassen wir das Geld.

Hilde:
Soll ich nicht lieber meinen Karl anrufen?

Bärbel:
Dein Karl? Pah! Der nützt so viel wie ein umgefallener Sack Reis in China!

Angelo:
Er darf Sie hier nicht sehen. Sie müssen anders aussehen.

Hilde:
Wie soll ich denn das anstellen? Mein Karl sagt immer, bei mir sei Hopfen und Malz verloren.

Bärbel:
Wir gehen zum Facelifting!

Hilde:
Was ist denn das?

Bärbel:
Dasselbe wie Bodylifting - nur nicht am Hintern, sondern im Gesicht.

Hilde:
(erschrocken)
Also eine Schönheitsoperation? Niemals! Ich war einmal in einer Schönheitsklinik als Geschenk vom
Karl, das hat gereicht.

Bärbel:
Wieso?

Hilde:
Hast du schon mal den Gesichtsausdruck von einem Werkstattmeister gesehen, wenn er die
Motorhaube aufmacht und Kolbenfresser feststellt? Genau so hat mich der Schönheitschirurg
angeschaut! Dann hat er mir mit einem schwarzen Filzstift am ganzen Körper solche Abnäher
aufgemalt. Da bin ich schnell wieder gegangen.

Chantal:
(hört man von rechts)
Aber Ritchi, ich schwöre, ich habe nichts zum Anziehen ...

Ritchi:
(hört man ebenfalls)
Fresse! Ich hab dir drei Koffer Klamotten gekauft!

Angelo:
Schnell weg!

(alle drei links ab; Angelo horcht)

Chantal:
(von rechts)
Aber nicht das Richtige, Ritchi ... und Schuhe habe ich auch nicht die passenden ...

Ritchi:
(von rechts)
Kein Mensch schaut auf deine Schuhe, sondern nur auf deine ... Augen!
(deutet auf ihre Brust)

Chantal:
Und zum Hairstylist muss ich auch noch, Ritchi! Können wir jetzt zu dem "Romeo und
Julia-Shoppingcenter" gehen? Bitte, Ritchi ...

Ritchi:
Ich muss zuerst dringend einen alten Freund von mir besuchen, den Polizeichef von hier.
(wedelt mit ein paar Scheinen)
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft! Den kenn’ ich von früher und den kann ich gut
gebrauchen, wenn ich hier aufgeraumt habe! Dieser Spaghetti sagt nämlich nicht die Wahrheit.
Und so was mag ich nicht!
(spielt mit einer Pistole)

Chantal:
Ritchi, krieg’ ich auch Geschenke?

Ritchi:
Wenn wir erst mal den Koffer wieder haben und dann bei den Brasilianern sind, bekommst du
alles, was du willst.

Chantal:
Wo liegt denn dieses Brasilianien eigentlich?

Ritchi:
(genervt)
Brasilien! Auf der südlichen Halbkugel!

Chantal:
Was ist eine Halbkugel? Ich kenne nur Rumkugeln.

Ritchi:
(haut sich auf die Stirn)
Du Flach-Hirn!
(tippt auf ihre Brust)
Pass auf! Wenn das hier die Erde ist und hier Deutschland ist, liegt hier Brasilien! Und daneben der
Atlantik, ein riesiges Meer!

Chantal:
Ritchi, ich kann aber nicht schwimmen.

Ritchi:
Keine Sorge, ein hohler Kopf geht nicht unter.

Chantal:
Fahren wir mit dem Zug nach Brasilianien?

Ritchi:
Mit dem Schiff, du Dachlatte!

Chantal:
Ein richtiges Kreuzfahrtschiff, wo man auch shoppen kann, Ritchi? Ich brauche namlich noch ’ne
neue Handtasche. Und Lippenstift. Und gibt es auf dem Kreuzfahrtschiff ein Nagelstudio?

Ritchi:
Nein, kein Kreuzfahrtschiff! Wir fahren illegal auf einem Frachtschiff mit, das normalerweise
Bananen transportiert.

Chantal:
Ein Frachtschiff? Kann man da einkaufen, Ritchi?

Ritchi:
(genervt)
Ja, Bananen!

Chantal:
Und Handtaschen?

Ritchi:
Wenn ich den Koffer wieder habe, kaufe ich dir von mir aus hundert Handtaschen, wenn du willst!
Aber jetzt leg dich mal hin und warte, bis ich wiederkomme! Und mit niemandem quatschen, hast
du verstanden! Und wo ist schon wieder dieser Lambrusco?
(klingelt energisch)

Angelo:
(von links)
Signore?

Ritchi:
He Mozzarella, hast du schon was in Erfahrung gebracht über die Sumpfdotterblume mit meinem
Koffer?

Angelo:
Si, Signore! Eine Freund von mir hat eine Schwester, wo hat eine Mann, wo hat wiederum eine
Freund, wo arbeitet die Sohn bei die Post. Er komme in alle Hotels und kann schauen! Ist halt
italienische Post - noch ein bisschen langsamer als die deutsche Post.

Ritchi:
(gibt ihm einen Schein)
Dann soll er den Schnellgang einlegen! Und meiner Blume liest du gefälligst jeden Wunsch von den
Augen ab!

Angelo:
(schelmisch)
Jeden? Gerne ...

Ritchi:
(hält ihm das Messer an Hals)
Vorsicht, Pannacotta! Wenn du sie auch nur berührst, kann man dich nicht mal mehr auf der Pizza
genießen!
(zu Chantal)
Hol deine Strandtasche und mach es dir hier bequem - und mit niemandem quatschen, klar!

Chantal:
Nein, Ritchi. Ich erzähl’ niemandem, dass wir mit einem illegalen Frachtschiff eine Kreuzfahrt nach
Brasilianien machen ...
(rechts ab)

Ritchi:
(rauft sich die Haare)
Ein hohler Luftballon hat mehr Hirn als die!

Teresa:
(von links; aufgebracht)
Angelo! Was du dabei denken? Du können doch nicht einfach eine Gast in die Küche stellen zum
Abwaschen! Disgraziato!
(schimpft auf italienisch)

Ritchi:
(misstrauisch)
Ein Gast in der Küche? Diesen Gast werde ich mir mal genauer anschauen!
(spielt mit seinem Messer)

Angelo:
(schnell)
Ist keine Gast, ist neue Putzefrau von Umbrien ...
(stellt sich vor den Ausgang)

Ritchi:
(schiebt ihn zur Seite)
Aus dem Weg, Parmesani!
(links ab; kommt wieder rückwärts heraus)
Hey, was soll das ...

Hilde:
(mit Schürze, Kopftuch tief ins Gesicht gebunden; kehrt mit dem Besen gegen seine Füße und
drängt ihn dadurch zuruck; spricht schnell italienisch)
La su per le montagne fra boschi e valli dor tra laspre rupi echeggia un cantico damor si sente
cantare cantiam la montanara ...

Ritchi:
Ist ja schon gut, du italienischer Waldschrat! Und ich dachte schon, das wäre ...
(zu Angelo)
Augen auf, klar!

(Mitte ab)

Hilde:
(atmet tief aus)
Ich hätte mir vor Angst fast in die Hosen gemacht!

Bärbel:
(von links)
Seit wann sprichst du italienisch?

Hilde:
Das war nur der Text vom "La Montanara-Lied". Das singen wir im Kirchenchor. Ich weiß aber gar
nicht, was das bedeutet.

Angelo:
Zu Polizei können wir jedenfalls nicht gehen! Die ist korrupt!

Teresa:
Was gehen hier vor in meine Hotel? Angelo, dio mio, was du machen?

Angelo:
Mama, ich kann es dir erklären. Kommt mal mit!

(alle vier links ab)

Renate:
(von rechts; mit Strandkleid, Sonnenbrille; hällt Kehrschaufel und Besen in der Hand)
Noch so eine Entgleisung und du fährst sofort mit deinem Vater nach Hause! Verstanden!

Hans-Martin:
(von rechts; mit kurzen Hosen, Kniestrümpfen und Hosentragern; trägt Strandtasche)
A...a... aber die Ameisen waren weg mit dem Wasser ...

Renate:
Kein Wort mehr! Und kein Bier mehr! Das Handtuch auf diese Liege! Aber faltenfrei!

Hans-Martin:
Ja...ja, Re...Re... Renate, faltenfrei ...
(breitet es umständlich aus)

Renate:
(drückt ihm die Kehrgarnitur in die Hand)
Hier! Damit fängst du die Biester, bringst sie nach draußen und ersäufst sie im Pool! Wehe dir,
wenn auch nur eine Ameise auf meine Liege kommt!
(klingelt energisch)

Hans-Martin:
Ja...ja, Re...Re...Renate, im Pool.
(krabbelt auf Knien umher und fängt Ameisen)
Kein Problem für einen alten Sportler ...

Angelo:
(von links)
Si, Signora ...

Renate:
Mein Gott, wo sind Sie denn wieder! Das sind ja Wartezeiten wie bei der Deutschen Bahn.

Angelo:
Signora, Angelo seien Express! Was kann ich für Signora tun?

Renate:
Ein Glas Prosecco für meinen Kreislauf und einen Caipirinha mit viel Eis zur Liege! Und zwar bevor
das Eis geschmolzen ist.
(abfällig)
Italiener!

Hans-Martin:
Und...und...und für mich bitte ...

Renate:
(scharf)
Mineralwasser! Ohne Eis! Das schlägt ihm auf den Magen.
(legt sich hin)

Angelo:
Komme sofort wieder.
(links ab)

Hans-Martin:
Ja...ja...ja, Re...Re...Renate, ohne Eis ...
(für sich)
Mir schlägt was ganz anderes auf den Magen.
(kehrt weiter; stößt dabei eine Vase oder etwas anderes um)
En...En...Entschuldigung ...

Angelo:
(von links)
Eine Prosecco, damit Kreis von Signora wieder läuft und eine Caipirinha. Prego.

Renate:
Wird ja auch langsam Zeit!
(trinkt Sekt in einem Zug leer und nimmt großen Schluck vom Caipirinha; zu Hans-Martin)
Keine einzige Ameise, verstanden!
(legt sich zurück, deckt sich die Augen mit Augenbinde zu)
Bin ich hier eigentlich in einem Hotel oder in einer Ameisenzucht?

Angelo:
Mineralwasser ohne Eis für Signore.
(gibt ihm ein großes Bier)

Hans-Martin:
(trinkt gierig)
Da...da...danke ...

Renate:
Trink nicht zu hastig, Hans-Martin...

Hans-Martin:
(trinkt leer, gibt Angelo das leere Glas)

Angelo:
Si, muss man trinken ganz langsam, die aqua minerale.
(schenkt ihm nochmals ein Bier ein; links ab)

Renate:
Gott, Urlaub mit diesem Mann ist anstrengend ...
(gähnt)
Und pass auf die Biester auf, Hans-Jochen. Ich will in Ruhe schlafen ...
(schläft ein)

Hans-Martin:
Ja...ja...ja, Re...Re...Renate ... schlaf schön ...
(leise)
und vor allem schön lang ...

Chantal:
(von rechts, in freizügigem Sommerkleid, Sonnenbrille im Haar, Strandtasche usw.; klingelt am Tresen; zieht Kaugummi aus dem Mund)

Hans-Martin:
(krabbelt und sucht Ameisen; stößt mit dem Kopf gegen Chantals Beine; will mit dem Kopf hoch und gerät dabei unter ihren Rock; kommt hervor)
äh, ich...ich... ich suche Ameisen ...
(schaut immer wieder zu Renate)

Chantal:
Unter meinem Rock sind aber keine! Den Rücken könnten Sie mir eincremen. Das ist mir einen "Sex
on the Beach" wert.

Hans-Martin:
Sex on the Beach? Hier? Mit mir?

Chantal:
Hallo! Das ist ein Drink! Sie sind aber auch nicht der Hellste! Cremen Sie mir nun den Rücken ein
oder nicht?

Hans-Martin:
Na...na...na...natürlich, gerne. Sie schläft ja ...

Chantal:
(packt Sonnencreme aus und zieht ihr Top aus)
Aber bitte nicht zu fest, ich habe noch ein bisschen Sonnenbrand. Weil, wenn Ritchi mich eincremt,
dann immer nur hier vorne.
(deutet auf ihre Brust)

Hans-Martin:
Ge...ge...gerne?
(cremt sie ein; mit dem Rücken zu Renate)

Chantal:
Bitte etwas gefühlvoller, ich habe Sonnenbrand! Alter!

Hans-Martin:
(cremt mit beiden Händen ein, es ist fast schon eine Massage; greift auch nach vorne)

Chantal:
Hallo! Das ist nicht mein Rücken! Rücken ist hinten! Ritchi begreift das auch nicht!

Renate:
(erwacht langsam)

Hans-Martin:
Ent...Ent...Entschuldigung, so ein schmaler Rücken, das bin ich gar nicht gewohnt ... bei Renate ist
viel mehr Rücken ...

Chantal:
Die Taille auch bitte, wegen dem Sonnenbrand. Schieben Sie einfach den Rock etwas nach unten.
Hallo! Nicht so weit! Das ist mein Hintern.

Hans-Martin:
Ent...ent...Entschuldigung. Bei Renate ist der Hintern auch viel, viel größer ...

Chantal:
Danke, es reicht.

Hans-Martin:
Bi...bi...bitte noch eine bisschen. Wi...wi...wissen Sie, so was Filigranes sehe ich nicht jeden Tag.
Wenn ich Re...Re...Renate eincreme, brauche ich viel mehr Sonnencreme. Im Zoo habe ich mal
einen Elefanten gestreichelt, seine Haut fühlte sich an wie bei Re...Re...Renate ...

Renate:
(ist inzwischen aufgestanden; klopft sich ab und steht hinter Hans-Jochen, der es nicht bemerkt)

Chantal:
Alter, ganz schön windig hier.

Hans-Martin:
Ideal für Re...Re...Renate. Perfektes Wetter zum Drachen steigen lassen.

Renate:
(scharf)
Hans-Martin!

(er zuckt zusammen)

Ritchi:
(von Mitte)
Chantal!

Hans-Martin:
Re...Re...Renate, ich kann das erklären ...

Ritchi:
(packt ihn am Kragen)
Du hast wohl ein paar Schrauben locker, du Schießbudenfigur!

Hans-Martin:
I...i...ich habe nur Ameisen gesucht ...

Chantal:
Ritchi, ich schwöre, er ist aus Versehen unter meinen Rock gekrochen ...

Ritchi:
(lässt Hans-Jochen los, außer sich)
Unter deinen Rock?
(ohrfeigt Chantal)

Renate:
Unter ihren Rock?
(gibt ihm eine Ohrfeige)
Du Ferkel! Du packst sofort die Koffer! Wir fahren!
(rechts ab)

Ritchi:
(packt Hans-Jochen wieder am Kragen)
Unter den Rock von meiner Maus bis du also gekrochen! Das überlebt niemand! Dich ersäuf’ ich
wie eine Kanalratte!
(zieht ihn schimpfend Mitte ab; man hört es poltern und jemanden ins Wasser fallen)

Chantal:
(ängstlich)
Der hat mich geschlagen, schon wieder! Ich gehe nicht mit zu dieser Bananenkreuzfahrt, wenn der
das nochmal macht, der ist so brutal!

Bärbel:
(von links)
Ich habe alles mitbekommen. Versteck dich da hinten. Ich ubernehme ihn.

Chantal:
Aber nicht, dass er dann mit Ihnen nach Brasilianien fährt ...
(links ab; versteckt sich hinter dem Tresen)

Ritchi:
(von Mitte; aufgebracht; wirft die Klamotten von Hans-Jochen in den Mülleimer)
Wo ist das kleine Luder? Aus der mach’ ich Hühnerfrikassee.

Bärbel:
(lehnt lässig am Tresen; mit Glas Sekt in der Hand; öffnet ihr Kleid ein wenig)
Na Kleiner, hast du gerade einen Adrenalinschub? Oder musst du überflüssige Hormone loswerden?

Ritchi:
(mustert sie; lacht)
Aha, Seniorenausflug an den Lago Maggiore?

Bärbel:
Für kleine Möchtegern-Machos ist man nie zu alt. Hat dir jemand den Schnuller geklaut oder was
ist dein Problem?

Ritchi:
(nimmt ihr Sektglas, trinkt es in einem Atemzug leer)
Hast du so eine kleine Bordsteinschwalbe gesehen - mit wenig Hirn und viel Busen?

Bärbel:
Tut mir leid. Hier war niemand.

Ritchi:
Wenn du sie siehst, dann richte ihr aus, dass ich dringend über Nacht weg muss und sie erst
morgen abhole! Und hoffentlich habe ich mich bis dahin wieder beruhigt. Sonst schwimmt sie im
Lago - mit dem Kiel nach oben. Übrigens du, dreißig Jahre jünger, würdest du heute Nacht die
Hauptrolle in meinem Bett spielen, Süße!

Bärbel:
Ach ja? Dachte ich mir doch, dass du nur für Nebenrollen zu gebrauchen bist, Süßer!

Ritchi:
Ich komme auf dich zurück!
(Mitte ab)

Bärbel:
So ein Scheißkerl!

Hans-Martin:
(von Mitte, nackt und klatschnass; nur mit einem Palmwedel oder einem Sitzkissen bedeckt; hustet)
Ich ... ich wäre fast ertrunken im Pool ...

Bärbel:
FKK-Baden angesagt? Ihre Klamotten liegen da drin!
(blickt hinter seine Abdeckung; abfällig)
Ja, anziehen ist besser, mit Kleidung ist der Mensch meist schöner.
(rechts ab)

Hans-Martin:
(holt seine Kleidung heraus)
Alles nu...nu...nur wegen der Ameisen ...

Renate:
(von rechts; aufgestylt; entsetzt)
Gott, nein! Hans-Martin, wie tief willst du noch sinken? Wenn es ginge, würde ich dich zur
Adoption freigeben.

Hans-Martin:
E...e...er hat mich in den Pool geworfen, nur wegen der ...

Renate:
Schweig! Ich gehe heute alleine in die Oper!

Hans-Martin:
(erleichtert; leise)
Zum Glück!

Renate:
Sagtest du was? Und zum Essen gehe ich auch alleine! Und wenn ich wiederkomme, sind die
Koffer gepackt!

Hans-Martin:
A...a...aber nur wegen der Ameisen ...

Renate:
Hörst du schlecht! Zieh dich an und pack deinen Koffer!
(Mitte ab)

Hans-Martin:
J...j...ja, Re...Re...Renate ... die Koffer ...
(rechts ab)

Oskar:
(von Mitte)
Hier gibt es ein riesiges Ameisenproblem! Als ob die Viecher extra angefüttert würden.
(holt sich ein Bier hinterm Tresen; entdeckt die schluchzende Chantal; zieht sie hoch)
Was ist denn mit dir los?

Chantal:
(mit Sektflasche in der Hand; schluchzt; ist angetrunken)
Ritchi hat mich geschlagen. Ich habe Angst, wenn er wieder kommt ...

Oskar:
Dein Bombenleger?
(nimmt ihr die Sektflasche aus der Hand)
Da hilft das Zeug auch nicht weiter! Den musst du in die Wüste schicken ...

Chantal:
(weinerlich)
Ne, nicht Wüste, sondern Brasilianien. Wenn ... wenn er mich nochmal schlägt, dann ... dann red’
ich kein Wort mehr mit ihm ...

Oskar:
(verdreht die Augen)
Kerle, die Frauen schlagen, gehören in den Knast!
(für sich)
Und Frauen, die bei so Kerlen bleiben, am besten auch.

Chantal:
Und die Nagelclips hat er mir auch abgebrochen. Und neue Schuhe kauft er mir auch keine mehr ...

Oskar:
Armes Mädchen! Hast du denn gar keine Schuhe mehr? Ich könnte dir meine alten Sandalen
ausleihen.

Chantal:
Doch, aber nur noch vierzig Paar.
(heult los; wirft sich ihm an die Schulter)
... neue High Heels brauch ich noch ...

Oskar:
Armes Kind! Vierzig Paar und nicht die richtigen. Das ist bitter!

Chantal:
Und zum Frisör darf ich auch nicht mehr jeden Tag! Und neue Kleider krieg’ ich auch nicht ... Dabei
hat er mir versprochen, dass ich jeden Tag zum Frisör darf ...
(heult laut auf)
... und ins Nagelstudio ...

Oskar:
Nicht mehr jeden Tag zum Frisör? Du bist das ärmste Mädchen, das ich kenne. Weiß du was?
Anstatt so oft zum Frisör zu gehen, könntest doch mal was Kulturelles machen. Italien ist das Land
der Kunst und Kultur. Hast du dir schon mal was vom Leonardo da Vinci angeschaut? Weißt du,
wer das ist?

Chantal:
(unsicher)
Vielleicht der Bruder vom Leonardo di Caprio?
(begeistert)
Ich hab alle Filme von ihm gesehen. Der beste war der, wo der große Dampfer mit dem Eisberg
zusammenstößt und der Leonardo dann absäuft. Wenn ich mit dem Ritchi auf dem
Bananenkreuzfahrtschiff bin, stell ich mich auch vorne an die Spitze und tu so, also ob ich fliege!
(macht es nach; wankt dabei; Oskar fängt sie auf)

Oskar:
(kopfschüttelnd; für sich)
Kennst du wenigstens Michelangelo?

Chantal:
Michelangelo?
(überlegt)
Ja klar, das ist doch der Typ, der mit dem Lagerfeld zusammen Klamotten und Handtaschen macht.
(wieder weinerlich)
Und Ritchi will mir auch keine Handtasche mehr kaufen. Er sagt immer nur, zwanzig reichen und
ich sei dumm!
(trotzig)
Aber das stimmt nicht! Ich schwöre, er versteht manchmal nur nicht, was ich will ...

Oskar:
Und was willst du denn?

Chantal:
(heult wieder auf)
Neue Schuhe, Kleider und zum Frisor ...
(wirft sich ihm wieder an die Schulter)
... und ins Nagelstudio ...

Oskar:
Jetzt legst du dich am besten erst mal ins Bett und schläfst deinen Rausch aus! Morgen sieht die
Welt wieder anders aus.

Chantal:
Ins Bett?
(heult wieder auf)
Alter, mit wem denn?

Oskar:
Also ich habe keine Zeit! Komm mit, ich bring’ dich auf dein Zimmer.
(kopfschüttelnd)
Armes Mädchen, vierzig Paar Schuhe und nicht die richtigen!

(beide rechts ab)

Bärbel:
(von rechts; aufgestylt)
Komm Hilde, heute Nacht machen wir einen drauf - mit dem Geld aus dem Koffer. Der Typ kommt
ja erst morgen wieder, und dann hauen wir ab.
(zeigt ihr das Handy)

Schau mal, im Internet hab ich für uns zwei knackige Kerle gefunden, die hätten heut’ Abend Zeit.
John aus Kanada, der war mal Holzfäller! Schau dir mal die Figur an! Solche Oberarme und so eine
Taille!
(deutet es an)

Hilde:
Wow! Bei meinem Karl ist es gerade umgekehrt.

Bärbel:
Und der wär was für dich! Jean-Pierre, ein leidenschaftlicher Franzose! Guck dir mal seinen Sixpack
an!

Hilde:
(empört)
Bärbel! Ich kann doch gar nicht französisch!

Bärbel:
Aber der! Stell dich nicht so an! Wann hast du das letzte Mal von deinem Ehemonster einen
leidenschaftlichen Kuss gekriegt?

Hilde:
Bärbel, wir sind doch beide fest gebunden! Was sagt da dein Markus ... äh, oder Thomas ... oder
Bernhard ... oder heißt er nicht Georg?

Bärbel:
Längst vorbei! Ich bin wieder solo! Der letzte hieß Alexander, der war aber auch ein Reinfall!

Hilde:
Du wechselst die Männer aber öfter als mein Karl die Unterhose.

Bärbel:
Komm, wir finden in dem Koffer bestimmt was für dich zum Anziehen.

(beide rechts ab)

Angelo:
(von links)
Perfetto! Die Küche ist blitzeblank sauber. Auf die deutsche Gründlichkeit von dieser Hilde ist
Verlass. Kann ruhig öfters kommen.

Teresa:
(ruft von hinten)
Angelo! Angelo!

Angelo:
Aber Mama nervt!
(ruft zurück)
Si, ich komme!
(links ab; es wird langsam dunkel auf der Bühne; bunte Lichter gehen an; Angelo kommt von links, stellt Kerzen, Sektkühler und Gläser auf den Tisch)
Bin gespannt, mit wem die Frauen sich treffen. Hoffentlich wird es nicht so spät. Bin so müde.
(links ab)

Oskar:
(gestylt wie ein italienischer Gigolo; mit Jackett, offenem Hemd; Sonnenbrille von rechts)
Jetzt komm schon!

Hans-Martin:
(zaghaft von links; ebenfalls gestylt; mit offenem Hemd; Brusthaartoupet; Gel im Haar; Sonnenbrille)
Und...und... wenn Re...Re...Renate doch früher kommt?

Oskar:
Keine Sorge! Ich habe dem Taxifahrer einen Hunderter gegeben und gesagt, er soll mit ihr durch
halb Italien fahren. Verdammt, die Klamotten von dem Angelo sind vielleicht eng. Komm, dort
drüben ist eine Bar, da trinken wir was, bevor es los geht!

Hans-Martin:
Wa...wa...was geht los?

Oskar:
Unser Date mit diesen beiden Mädchen aus dem Internet! Deine heißt Vivien und meine Natascha!
Und feurig wie eine Pizza diabolo! Die hab ich hierherbestellt.

Hans-Martin:
Wenn Re...Re...Renate das alles erfährt, wird sie auch diabolo ...

Oskar:
Lass deinen Drachen ruhig Feuer spucken. Hauptsache, wir haben unseren Spaß!
(gibt ihm einen Joint)
Hier, rauch einen, dann wirst du locker! Den hab ich aus dem Zimmer von der Kleinen
mitgenommen!

(beide Mitte ab)

Bärbel:
(aufgetakelt von rechts; mit Perücke)
Jetzt komm schon, Hilde!

Hilde:
(ebenfalls aufgetakelt von rechts; mit Perücke; stolpert mit ihren Stöckelschuhen)
Diese blöden Absätze. Und dieser enge Fummel! Voll unbequem.

Bärbel:
Willst du den Lover-Boys etwa im Jogginganzug oder in deiner Almdudler-Kluft gegenübertreten?
Komm, wir essen vorher noch was.

(beide setzen sich)

Angelo:
(von links)
Oh la la, Signore! Belle ragazze!
(legt Karte auf den Tisch)
Was darf ich bringen?

Hilde:
(packt Lesebrille aus)

Bärbel:
Pack das Nasenfahrrad weg! Oder sollen die gleich von Weitem sehen, dass wir alte Schachteln
sind. Angelo, ich nehme die Penne arrabiata,
(betont)
scharf, so scharf wie es geht ...
(leckt sich die Lippen und schaut ihn schmachtend an)

Angelo:
(ebenso schmachtend)
Si, Signora, so scharf wie nur geht ...

Hilde:
Gibt es auch Jägerschnitzel mit Spätzle und Soße?

Angelo:
Nix geschnitzelte Jäger! Wir sind in bella Italia. Pizza o Pasta!

Hilde:
Das nehm’ ich, hört sich gut an. Was kostet das?

Bärbel:
(winkt ab)
Das gleiche wie bei mir! Wir sind mal kurz beim Rauchen.

Angelo:
Si, Signora.
(links ab)

Hilde:
Ich habe aber noch nie Zigaretten geraucht.

Bärbel:
(packt zwei Joints aus)
Das sind ja auch keine Zigaretten. Die sind auch aus dem Koffer, wie dein Kleid! Probier mal, dann
wirst du lockerer und mutiger!

(beide rechts ab)

Oskar:
(mit Hans-Jochen von Mitte; beide mit Joints im Mund)
Du musst ihn tief runterziehen.
(bläst Wolke in die Luft)
Die Mädels müssten jeden Augenblick kommen. Auf in den Zweikampf!

Hans-Martin:
(nimmt tiefen Zug)
Mir ... mir wird komisch ... aber fühlt sich gut an ...

Oskar:
Und hier steht schon was zu trinken!
(schenkt Sekt ein)
Auf unser Abenteuer!

Hans-Martin:
(nimmt tiefen Zug vom Joint; kichert)
Und auf Renate, die alte Schrumpeltomate, ha, ha, ha ...
(wird mutig)
Wo sind die Miezen?
(öffnet sein Hemd etwas)
Heute hol’ ich nach, was ich die letzten fünfundzwanzig Jahre verpasst habe, ha, ha, ha ...

Hilde:
(von links mit Bärbel; hustet kräftig)
Wenn das mein Karl wüsste ...

Bärbel:
(zischt)
Reiß dich zusammen, die sind ja schon da!

Oskar:
(leise zu Hans-Jochen)
Bauch rein, Brust raus. Es geht los.
(großspurig; lässt Muskeln spielen)
I am John, the kanadian ... the kanadian ...
(gibt Hans-Jochen einen Rippenstoß)
Was heißt Holzfäller?

Hans-Martin:
Woodcutter.

Oskar:
... the kanadian woodcutter!

Hans-Martin:
(verheißungsvoll)
Je suis Jean-Pierre! Je taime, ma cherie ...
(singt und tanzt um sie herum, lässt Zunge schnalzen)

Hilde:
(zu Bärbel)
Ich mag kein Mon cherie.

Bärbel:
Begrüß ihn und sag was Nettes zu ihm.

Hilde:
(geht auf ihn zu; stolpert wieder; streckt steif ihre Hand aus)
Grüß Gott, ich bin die Hilde ...

Bärbel:
(gibt ihr Rippenstoß)
Vivien!

Hilde:
Wie?

Bärbel:
Vivien!
(spricht gebrochen)
Sie heißt Vivien und ich bin Natascha.

Oskar:
(leise zu Hans-Jochen)
Bisschen angejährt, die zwei, oder?
(zu Bärbel)
Und? Amore am Lago Maggiore?

Bärbel:
Hilde, da ist was faul! Das sind doch alte Knacker! Das ... das sind doch die beiden Chaoten vom
Hotel!

Oskar:
(nimmt Sonnenbrille ab)
Das sind ja die Weiber von hier!

Hans-Martin:
(mutig)
Scheißegal! Immer noch besser als Renate, dieses Schrapnell!
(gibt Hilde einen Klaps auf den Hintern)
Schau mal einer an, du bist ja plötzlich ein ganz scharfer Hüpfer ...

Thomas:
(von Mitte; mit Pistole; ruft)
Das Spiel ist aus! Hände hoch! Sonderkommando Drogenfahndung! Sie sind verhaftet wegen
gemeinschaftlichem Drogenhandel und Geldwäsche! Mitkommen! Draußen warten die Kollegen
mit der grünen Minna! Endlich haben wir die Bande!
(ruft nach draußen)
Los Kollegen, Türen aufbrechen und Zimmer durchsuchen!

(evtl. kommen zwei vermummte Statisten mit Brecheisen und Ramme von Mitte und gehen rechts ab)

Teresa:
(von links; mit Nachthemd; schlägt Hände über Kopf zusammen)
Porca miseria! Was haben deutsche Gäste nur angerichtet ...
(schimpft und jammert auf Italienisch)

Ende Teil 2

3. Akt

(Am anderen Morgen, es ist wieder hell)

Teresa:
(mit Renate auf der Bühne)
Si, Signora. Alle haben geraucht solche große Dinger und trinken viele Champagner und wolle
machen amore mit die andere.
(flehend zum Himmel)
Per l’amor del cielo! Amore mit die andere!

Renate:
(entsetzt)
Hans-Martin auch?

Teresa:
Si, Signora. Dann kommen polizia und verhaften alle und bringen weg in Auto mit Gitter! Und alle
immer noch nicht zurück! Und polizia brechen Türen auf und durchsuchen alles! Santa Maria, wer
bezahlen mir ganze Schaden, wo deutsche Touriste haben angerichtet?

Renate:
(holt tief Luft)
Hans-Jochen im Gefängnis samt dem lieben Schwiegervater! Das trifft sich gut. Ich reise ab und
lasse sie im Knast - hoffentlich lebenslänglich!

Teresa:
(jammernd)
Bitte nix alle Gäste abreisen. Wenn Signora nix mehr bleiben und nix mehr essen hier, dann
verhungern wir beide. Per favore! Angelo und ich lesen Signora jede Wunsch von Augen ab.
(ruft)
Angelo!
(links ab)

Renate:
(wütend)
Und dieser Taxifahrer fährt die ganze Nacht im Kreis herum - und das im Auftrag meines lieben
Schwiegervaters! Na warte, lass die nur zurückkommen!
(steht abseits und wird von den anderen nicht gesehen)

(Bärbel, mit Hilde, Oskar, Hans-Martin und Thomas von Mitte; ohne Perücken, in der Kleidung vom Vorabend; alle etwas zerzaust)

Bärbel:
Oh, mir tut alles weh! Die ganze Nacht in der Zelle auf der harten Pritsche! Nix amore am Lago
Maggiore! Stattdessen Rast im Knast!

Hilde:
Mein Karl hat doch recht. Nirgends ist es so schoön wie daheim auf dem eigenen Sofa. Ich will heim
zu ihm - auch wenn er Mundgeruch hat.

Oskar:
So ein Reinfall mit den Mädels. Da ist ja in der Kurzzeitpflege mehr los!

Hans-Martin:
Na ja, immer noch besser als Renate, dieser Schrumpelschreck!

Renate:
(scharf)
Hans-Jochen!
(er zuckt zusammen)
Alkohol, Rauchen, Fremdgehen und Gefängnis! Was kommt als nächstes? Wie tief wirst du noch
sinken!

Thomas:
(mit einer Tasche)
Ich kann diesen bedauernswerten Irrtum aufklären und möchte mich bei allen Beteiligten
entschuldigen. Sie bekommen eine angemessene Entschädigung für all das.

Teresa:
(von links; mit Angelo)
Schon wieder polizia! Türe kaputt, Gäste wollen abreisen! Wer bezahlen mir Schaden? Wenn keine
Gäste mehr kommen, dann müssen Teresa schließen ihr kleine Hotel. Dann verdienen nix mehr Geld
und meine kleine Bambino Angelo muss verhungern ...
(nimmt Angelo in den Arm und streichelt ihm die Wangen; ihm ist das sichtlich unangenehm)
Arme kleine Bambino Angelo ...

Thomas:
Bitte beruhigen Sie sich! Sie werden angemessen entschädigt. Der deutsche Staat bezahlt schon so
viel, da kommt es auf das hier auch nicht mehr an.

Teresa:
(erfreut)
Deutsche Staat bezahlen? Deutsche Staat gute Staat! Dann bitte mitkommen, Signore polizia!
(zieht ihn mit sich)
Hier ist noch kaputt die Kühlschrank, in Küche ist kaputt die Pizzaofen und die Spülmaschine, in
Keller die Gefrierschrank - und alles gemacht kaputt deine Polizei heute Nacht! Du alles müssen
bezahlen.

Angelo:
(mit wehleidigem Gesichtsausdruck)
Und meine Fiat Uno ist auch noch kaputt und meine Knöchel ...
(humpelnd links ab)

Renate:
(scharf)
Hans-Martin! Ich will eine Erklärung!

Hans-Martin:
(wieder ganz der alte)
Ähm, j...j...ja, Re...Re...Renate ...

Thomas:
Ich kann Ihnen das erklären. Wir hatten bei der Begleiterin des Drogendealers einen Peilsender
installiert.

Hilde:
Ausgerechnet in dem Kleid, das ich aus dem Koffer genommen habe.

Thomas:
Wir sind ihm schon lange auf den Fersen, ohne Erfolg. Heute Nacht erfolgte bedauerlicherweise der
Zugriff auf die falsche Zielperson.

Hilde:
Hätte ich nur auf meinen Karl gehört und die alte Reisetasche genommen, dann wäre das alles
nicht passiert.

Renate:
(zieht Hans-Jochen am Ohr)
Und diese obszöne Verkleidung? Und dieses vulgäre Treffen mit diesen ... Personen? Ich bin
schockiert!

Bärbel:
Mann, Hansi, die ist ja noch viel schlimmer, als du uns erzählt hast!

Oskar:
Verhaften Sie doch einfach seine Begleiterin.

Hans-Martin:
(schnell)
Ja...ja...ja, gute Idee ...
(deutet auf Renate)

Renate:
Hans-Jochen! Unverschämtheit! Weshalb nennt diese Person dich Hansi?

Oskar:
Ich meine eigentlich das Mädchen von dem Dealer, das noch besoffen im Zimmer liegt und nicht
zum Frisör darf.

Thomas:
Auf keinen Fall. Wenn sie Verdacht schöpft, wird sie ihn warnen und er entwischt uns wieder. Ich
brauche Ihre Mithilfe und zwar von Ihnen allen. Besonders von Ihnen.
(deutet auf Hilde)

Hilde:
Muss ich schon wieder abspülen, oder was?

Thomas:
Alles muss so naturlich aussehen wie möglich, damit sich der Dealer in Sicherheit wiegt. Ich werde
mich hier als Gast ausgeben, am besten als Ihre Begleitung.
(deutet auf Hilde)

Bärbel:
(drängelt sich vor)
Der passt eher zu mir. Du gehst in die Küche!
(kommt ihm näher)

Thomas:
Von mir aus auch als Ihre Begleitung.
(zu Hilde)
Sie sind aber unser Lockvogel und mussen sich dieser Chantal unauffällig zu erkennen geben. Dann
wird sie ihn informieren und er wird seinen Koffer wieder haben wollen - und wir schlagen zu!
Seien Sie aber behutsam und vorsichtig. Denn der Kerl ist brandgefährlich und geht über Leichen,
wenn es sein muss. Seien Sie alle so wie sonst auch.
(zu Renate)
Auch Sie!

Hans-Martin:
W...wie sonst auch? Oh Gott! Ist die Gefängniszelle zufällig noch frei?

Thomas:
Ziehen Sie sich alle wieder normal an, es geht los.
(zu Hilde)
Und Sie tun so, als wollten Sie abreisen und kommen rein zufällig mit dem Koffer vorbei, sobald
diese Chantal hier ist.

Renate:
Hans-Martin! Wie immer, hat er gesagt! Wir haben zu reden!

(zieht ihn mit sich; beide rechts ab)

Oskar:
Willkommen zurück im Alltag!
(rechts ab)

Bärbel:
Kann mir mal jemand den Reißverschluss aufmachen?

Hilde:
Ja, klar ...
(will ihn aufmachen)

Bärbel:
(wehrt ab)
Das macht immer der Mann!
(wendet Thomas den Rücken zu)
Dann mal los!

Thomas:
Ich? Ich bin Polizist!

Bärbel:
Sind wir jetzt ein Paar oder nicht?
(auffällig laut)
Er ist Bulle!

Thomas:
Psst! Ok, wir sind ein Paar, aber nur rein dienstlich.

Thomas:
(zu Teresa)
Haben Sie ein Zimmer für mich direkt neben der Zielperson?

Teresa:
Bezahle die Zimmer auch gute deutsche Staat?

Bärbel:
(winkt ab)
Nicht nötig! Er schläft bei mir, sonst fällt es auf!

Thomas:
Aber nur auf dem Beistellsofa!

Teresa:
(schlägt Hände überm Kopf zusammen)
Was passiere alles in meine kleine Hotel Amore mio! Angelo ...
(schimpft auf Italienisch; links ab)

Angelo:
(von links; schimpft ebenfalls auf Italienisch)

Bärbel:
(zu Angelo)
Tut mir leid, Angelo! Schließlich muss man die deutsche Polizei bei der Verbrechensbekämpfung
nach besten Kräften unterstützen.

(mit Thomas rechts ab)

Hilde:
Wenn das mein Karl wüsste ...
(rechts ab)

Angelo:
(zieht wieder mit Gießkanne eine Spur)
Alles muss so sein wie immer, hat er gesagt! Auch für die Ameisen!
(schimpft)
Dieser alte Mann macht mir meine ganze Ameisen-Strategie kaputt!

Chantal:
(von rechts; zerzaust; hält sich Waschlappen an die Stirn)
Haben Sie Arsen für meinen Kopf?

Angelo:
Signora meinen bestimmt Aspirin.

Chantal:
Ja, diese sprudelnden Dinger, die das Kopfweh wegmachen.

Angelo:
Brauchen Sie zwei?

Chantal:
Das Doppelte - also sechs!

Angelo:
(holt Tabletten)
Wo ist denn Ihre Mann?

Chantal:
Geschäftlich unterwegs. Und er hat mir nicht mal Geld oder die Kreditkarte hiergelassen. Dabei
sollte ich dringend zum Frisör und ins Nagelstudio ... und zum Visagisten ... und neue Schuhe
bräuchte ich dringend und eine Handtasche ... und ein neues Kleid ...
(wirft sich Angelo an die Schulter; weinerlich)
Keiner kümmert sich um mich.
(schnupft laut ins Taschentuch)

Angelo:
(etwas hilflos)
Aber Signora sehen doch auch so gut aus. Ich kümmere mich um Sie. Soll ich bringen eine
Orangensaft und machen eine kleine Nackenmassage, damit Signora werden wieder fit?

Chantal:
(schnupft laut ins Taschentuch)
Ja, wenn schon mein Ritchi nicht da ist ...

Angelo:
(schenkt ihr ein Glas ein; massiert ihr hinterher den Nacken)
Tut gut? Ich habe gute Massageöl.
(nimmt Wasser aus der Gießkanne)
Später es wird auf Ihren Rücken sehr belebend sein, als ob Sie lauter Ameisen auf dem Rücken
hätten ...

Chantal:
Wir können ja die Massage auf meinem Zimmer ausdehnen ...
(will ihn mit sich ziehen)

Angelo:
(nimmt ihre Hand weg)
Bedaure, aber habe viel Arbeit und wenig Zeit!

Chantal:
(barsch)
Alter! Bist du doof oder was? Zuerst baggerst du mich an und dann so ’ne Abfuhr! Arsch! Ich hol’
meine Strandsachen.
(beleidigt rechts ab)

Angelo:
(kopfschüttelnd)
Hoffentlich kommen viele Ameisen!

(Thomas mit Bärbel von rechts; beide in Strandbekleidung)

Thomas:
Wo geht sie hin?

Angelo:
Sie holt ihre Strandsachen.

Thomas:
Gut. Dann kann unser Lockvogel ja kommen.

Bärbel:
Kannst du mir den Rücken eincremen?

Thomas:
Wie bitte?

Bärbel:
Es soll doch alles so natürlich wie möglich aussehen. Oder willst du etwa, dass ich dich als Bulle
oute?
(drückt ihm die Sonnencreme in die Hand)

Thomas:
Ich bin im Dienst!
(cremt ihr nur ganz kurz die Schulter ein)
So, fertig.

Bärbel:
Typisch Mann!
(nimmt seine Hände, legt sie an ihre Taille, schmiegt sich an ihn)
Auch hier kann es Sonnenbrand geben.

Thomas:
(cremt sie widerwillig ein)
Ich bin nicht zum Spaß hier!

Bärbel:
(verheißungsvoll)
Ich auch nicht! Angelo, bitte zwei Caipirinha.

Thomas:
Für mich bitte nur Wasser. Ich bin schließlich im Dienst.

Angelo:
Dienst? Ich möchte auch sein eine deutsche Polizist.

Thomas:
Man muss manchmal Opfer bringen für seinen Dienstherrn.

Angelo:
(voller Selbstmitleid)
Angelo seien auch große Opfer von seine Dienstherr Mama Teresa.
(links ab)

Bärbel:
Ich opfere mich gerne - für dich.

(schiebt ihre Liege ganz nah an seine; Thomas ruckt mit seiner Liege etwas ab, das Ganze wiederholt sich)

Renate:
(von rechts; mit Hans-Jochen, der die Strandtasche trägt)
Ich bin immer noch schockiert über dein primitives Verhalten! Schäm dich!

Hans-Martin:
(mit kurzen Hosen, langen Kniestrümpfen; Unterhemd und Hosenträgern)
Ja...ja...ja, Re...Re...Renate, ich schäme mich ...
(leise zu Bärbel)
Aber es hat trotzdem Spaßgemacht ...

Renate:
Hans-Martin, das Handtuch auf diese Liege, aber faltenfrei! Du setzt dich auf den Stuhl, eine Liege
hast du nicht verdient!

Hans-Martin:
Ja... Re...Re...Renate, faltenfrei.
(versucht umständlich, das Handtuch auszubreiten; zieht es mal vorne, mal hinten glatt; jedes Mal
rutscht es wieder weg; stolpert wieder und fällt über die Liege)

Renate:
Du Tollpatsch! Zu doof, um einen Eimer Wasser auszuschütten!

(Thomas hilft ihm und breitet das Handtuch für ihn aus)

Chantal:
(von rechts mit Strandtasche; stellt ihre Tasche in dem Moment auf die Liege, als sich Renate gerade dort breit machen will)
Das ist meine Liege!

Renate:
(empört)
Unverschämtheit! Hans-Martin, mach was!

Hans-Martin:
(nimmt Renates Handtuch weg und breitet Chantals Handtuch aus)
I...ist es so gut?

Renate:
(empört)
Das darf doch nicht wahr sein!

Hans-Martin:
(zuckt zusammen)
Fa...fa...faltenfrei natürlich ...
(streicht es glatt)

Chantal:
(gibt ihm Sonnencreme)
Und eincremen bitte. Aber nicht nur vorne rum wie vorhin, sondern auch den Rücken!

Hans-Martin:
Se...se...selbstverständlich ...

Renate:
Selbstverständlich nicht!
(entreißt ihm die Sonnencreme)
Was erlaubst du dir! Und Sie ...
(nimmt Chantals Tasche und Handtuch weg und wirft beides auf den Boden)
Das ist meine Liege!

Chantal:
(empört)
Diese Tasche ist von Gucci und die Schrulle wirft sie einfach so auf den Boden! Ehrlich, ich schwöre,
ich kratz Ihnen die Augen aus, wenn Sie meine Tasche noch ein Mal anfassen!
(wirft Renates Tasche zu Boden und legt ihre eigene wieder auf die Liege)

Renate:
Was glauben Sie eingebildete Tussi eigentlich!
(stellt Tasche wieder runter)

Chantal:
(legt sie wieder hoch; so geht es weiter)
Alte Nebelkrähe!

Renate:
Ohhh! Dumme Hohlbratze!

Chantal:
Aufgeblasener Truthahn! Weg da, sonst sag’ ich es Ritchi!

Renate:
Unterbelichtete Spinatwachtel!

Chantal:
Jetzt reicht es mir aber! Ehrlich, du alte Hackfresse!

Renate:
Wie bitte? Alte Hackfresse? Das lass’ ich mir nicht bieten!
(geht auf sie los; zieht sie an den Haaren)
Blindschleiche!

Chantal:
Auaaa!
(wehrt sich, beißt Renate in den Arm)
Alte Schabracke!

Hans-Jochen:
(trinkt während dessen heimlich am Tresen ein Bier)

Renate:
Aua! Diese Schnalle hat mich gebissen! Na warte!
(beide gehen weiter aufeinander los)
Und ob das meine Liege ist ...

Angelo:
(von rechts; mit Caipirinha und Wasser; geht dazwischen)
Aber Signore, bitte Frieden. Es gibt doch noch andere Liegen hier. Für jede ist eine da!

Renate:
Neben dieser Schnepfe liege ich nicht!

Chantal:
Und ich nicht neben dieser Faltenfresse!

Angelo:
Dann soll Signor eben dazwischen liegen.
(deutet auf Hans-Jochen; stellt die Liegen entsprechend hin)
Für die Friede bringen Angelo drei Gläser Prosecco.

(sie legen sich hin)

Renate:
Für Hans-Jochen keinen Alkohol! Der wird trocken gelegt!

Hans-Martin:
Ja...ja, Re...Re...Renate, keinen Alkohol ...
(legt sich so auf die Liege, dass er Chantal im Blickfeld hat)

Renate:
Hans-Martin! Was starrst du diese Zimtzicke dauernd an!

Chantal:
Mich kann man wenigstens anschauen im Gegensatz zu Ihnen, Sie Presswurst!
(setzt sich Kopfhörer auf)

Renate:
Hans-Martin, umdrehen!
(er dreht seine Liege um 180 Grad, so dass er sie weiterhin sehen kann)
Du sollst DICH umdrehen, zu MIR! Und schau nach, ob hier Ameisen sind!

Chantal:
(nimmt Kopfhörer ab)
Kann die mal ihre Klappe halten? Das ist ja unerträglich! Ich lese gerade ein Hörbuch und verstehe
kein Wort!

Hans-Martin:
Was hören Sie denn?

Chantal:
"Bibi und Tina", Teil sechs! Ich schwöre: hat aber nichts mit Sex zu tun!

Renate:
Es interessiert uns nicht die Bohne, was die hört, Hans-Martin!

Angelo:
(bringt drei Glaser Prosecco und heimlich ein Bier, das er hinter den Tresen stellt)
Prego. Friede sei mit euch, sagen die Papst!

Hans-Martin:
Und...und ich schau nach den Ameisen ...
(geht hinter den Tresen; trinkt)

Renate:
(trinkt ein Glas leer)
Gott, ist Urlaub anstrengend. Besonders mit diesem Mann ... und solchen Gästen!
(legt sich nach hinten, steckt Ohrstöpsel rein; schläft langsam ein und schnarcht)

Chantal:
Schnepfe!
(trinkt ebenfalls; setzt ihre Kopfhörer wieder auf; singt ein Lied mit, es hört sich schräg an; schläft dann auch ein)

Thomas:
(ungeduldig; schaut auf die Uhr)
Wo bleibt denn diese Hilde? Ich habe nicht ewig Zeit, hier tatenlos rumzuliegen.

Bärbel:
Wir können auch auf mein Zimmer gehen, wäre bequemer ...

Hilde:
(von rechts; wieder in Wanderbekleidung mit Koffer)
Ich reise ab!
(lauter)
Ich reise ab!

Hans-Jochen:
Psst ... Re...Re...Renate schläft und das ist gut so ...

Hilde:
Aber die soll es doch hören!
(laut)
Ich reise jetzt ab!

Hans-Martin:
Bitte, leiser, psst ...

Thomas:
(deutet auf ihren Koffer und gibt ihr ein Zeichen)

Hilde:
(verständnislos)
Ich packe meinen Koffer und nehme mit ...

Thomas:
(schüttelt mit dem Kopf; deutet auf Chantal)

Hilde:
Ich reise wegen der ab. War das gut so? Oder noch mal lauter?

Hans-Martin:
Blo...bloß nicht! Sonst erwacht Re...Re...Renate. Ich habe eine Idee.
(nimmt der schlafenden Chantal die Kopfhörer ab und spricht ihr ins Ohr)
Hallo, wie wär es nochmals mit einer Nackenmassage ...

Chantal:
(im Halbschlaf)
Ritchi ... endlich bist du wieder da ... kaufst du mir jetzt die Handtasche ...
(zieht ihn zu sich auf die Liege und küsst ihn eng umschlungen ...

Bärbel:
(gibt Thomas einen Rippenstoß)
Siehst du, so macht man das!

Hilde:
Und ich reise jetzt ab mit einem schwarzen Samsonite-Koffer!
(wie geschrieben)

Renate:
(erwacht; sieht Hans-Jochen auf der Liege bei Chantal; fährt hoch)
Hans-Martin!
(er erschrickt; fällt von der Liege)
Kaum mach’ ich die Augen zu, dann vergnugst du dich mit dieser Bordsteinschwalbe!
(zieht ihn am Ohr hoch)
Sonst nicht auf drei zählen können, aber bei jeder Gelegenheit fremdgehen wollen!
(gibt ihm eine Ohrfeige)

Hans-Martin:
Re...Re...Renate, ich dachte, du schläfst ...

Chantal:
Igitt! Das ist ja der Typ da, der mich nur vorne herum eincremen will.
(putzt sich Mund ab)
Ich bin wohl auch eingeschlafen. Ehrlich, Hörbuchlesen ist voll anstrengend, ich schwöre ...

Hilde:
Interessiert hier eigentlich jemand, dass ich mit diesem blöden Koffer abreise, Himmel
Donnerwetter nochmal!

Renate:
Wenn Sie Spinatwachtel nochmals mit Hans-Jochen ...
(zieht Chantal an den Haaren hoch)

Chantal:
(es beginnt wieder ein Gekeife)
Sie Gammelfleisch-Haufen ...

Thomas:
(geht dazwischen)
Seien Sie vernünftig, meine Damen. Das war doch nur ein Missverständnis ...
(er gerät zwischen die Fronten)

Angelo:
(von rechts)
Oh no! Zickenkrieg geht weiter!

Ritchi:
(von Mitte; scharf)
Finger weg von meiner Mieze!

Chantal:
Ritchi, endlich!
(deutet auf Hans-Jochen)
Ich schwöre, er hat mich im Schlaf überfallen!
(deutet auf Angelo)
Und er wollte mit mir aufs Zimmer. Und diese Schrulle hat meine Frisur zerstört! Ritchi, ich muss
dringend zum Frisör ...

Ritchi:
Was hat diese Kanalratte schon wieder getan?
(zieht sein Messer)

Hilde:
Mir ist das zu blöd mit dem Samsonite-Koffer ...
(erschrickt; hält Mund zu)

Ritchi:
(zu Hilde)
Bingo! Da ist ja unser Breitmaulfrosch! Chantal, hol sofort dein Gepäck! Wir haben jetzt, was wir
brauchen. Solange knöpf ich mir dieses Pack vor ...
(spielt mit seinem Messer)

Hilde:
Wen meint der mit Breitmaulfrosch?

Chantal:
Ritchi, krieg ich auf dem Kreuzfahrtschiff eine Handtasche von Michelangelo? Oder kaufen wir die
erst in Brasilianien?

Ritchi:
(herrscht sie an)
Hol dein Gepäck, du Dummvogel! Aber flott!

Chantal:
Alter, ich schwöre, ich bin nicht dumm! Ich hab schon mehr Hörbücher gelesen wie du!

Ritchi:
...als du!
(herrscht sie an)
Hau ab und hol dein Gepäck!

(Chantal rechts ab)

Hilde:
(genervt)
Ich habe keine Lust mehr, Lockvogel zu sein! Ich geh jetzt zu meinem Karl ...
(will ab)

Ritchi:
Lockvogel? So sieht das also aus ...

Thomas:
(zieht Pistole)
Hände hoch! Sie sind verhaftet wegen Drogenhandels ...

Ritchi:
(packt Renate; zieht sie vor sich und hält ihr eine Pistole an den Hals)
Lass die Waffe fallen und hoch mit den Flossen, Superbulle, sonst hat die Qualle hier ein paar
Luftlöcher mehr!

Thomas:
Verdammt!
(legt Pistole auf den Boden und schiebt sie mit dem Fuß zu Ritchi; alle nehmen die Hände hoch)

Ritchi:
(hebt Pistole auf)
So, Sportsfreunde, ihr werdet euch jetzt still verhalten und keiner rührt sich von der Stelle! Keine
Bullen und keine Fahndung! Ich nehm sie jetzt mit und wenn ihr alle brav seid, ist das alte
Suppenhuhn vielleicht schon übermorgen wieder frei!

Hans-Martin:
Ü....Ü....Übermorgen? Es eilt wirklich nicht ...

Renate:
Hans-Martin!

Ritchi:
Schnauze, Nilpferd!
(zu Hans-Jochen und Angelo)
Jetzt erst mal zu euch beiden! Meine Blume habt ihr also angemacht! Tja, wenn ich eines nicht
leiden kann, dann das!
(lädt Pistole durch)

Teresa:
(von Mitte; freudig)
Grazie a dio, eine Wunder ist geschehen! Eine Wunder! Ameise sind alle weg ...

Oskar:
(mit einem Bier von Mitte)
Noch mehr trinken geht wirklich nicht! Ich komm mir ja schon vor wie ein Springbrunnen ...

Ritchi:
(hält Teresa die Pistole vors Gesicht)
Hals zu, Tortellini-Gesicht! Du bist erst hinterher dran! Flossen hoch!
(beide gehorchen)
Leider musst du dein Pool-Wasser auswechseln, weil es sich gleich rot färbt!

(zu Hans-Martin)
Mitkommen nach draußen, Suppenkasper!
(stößt ihn abfallig Richtung Abgang Mitte)

Hans-Martin:
Vo...Vo...Vorsicht, ich war in meiner Jugend deutscher Ka...Ka...Ka...

Ritchi:
(lacht verächtlich)
Ka...Ka... was? Ha, ha, ha ...

Hans-Martin:
(schlägt ihn mit einem gekonnten Fußtritt die Waffe aus der Hand und streckt ihn mit zwei Handkantenschlägen an den Hals nieder; Ritchi sinkt ohnmächtig zu Boden)
Karate-Jugendmeister.

Thomas:
(legt Ritchie Handschellen an)
Sie sind verhaftet und haben das Recht zu schweigen ...

Hans-Martin:
Der sagt vorerst sowieso nichts mehr.

Renate:
(völlig baff)
Ha...Ha...Hans-Martin, das...das hätte ich dir nie zugetraut ...

Hans-Martin:
Siehst du!
(nimmt allen Mut zusammen)
Renate, ich trinke jetzt ein Bier.
(geht drohend auf sie zu)
Und wenn du auch nur ein Wort sagst, dann ... dann bist du die nächste!
(macht Karate-Bewegung)

Renate:
(zunächst aufbrausend)
Hans-Martin...
(kleinlaut)
Ja...ja...ja, lass es dir schmecken ...
(zu Angelo)
Für mich bitte Prosecco ...

Hans-Martin:
(scharf)
Wasser! Und zuerst kommst du mit aufs Zimmer! Wir haben ein ernstes Wort zu reden!

Renate:
(kleinlaut)
Ha...Ha...Hans-Martin, du bist so anders ...

Hans-Martin:
Klappe halten und mitkommen!

(mit Bier rechts ab; Renate folgt ihm)

Oskar:
Gott sei Dank! Langsam wird mein Kleiner erwachsen.

Teresa:
(faltet die Hände nach oben)
Santa Lucia, was passieren noch alles!
(richtet Stoßgebet zum Himmel)
In nomine patre ... Ich hole was für die Kreislauf!

Oskar:
Endlich geht mal was ab hier! Bisher war ja in einem Einzelzimmer vom
(Name eines Pflegeheimes der Region einsetzen)
mehr los! Ich helf dir, Teresa ...

(beide links ab)

Angelo:
(hält Hand an Ohr und wartet)
Sie ruft nicht "Angelo". Perfetto!

Hilde:
Muss ich jetzt wirklich abreisen?

Thomas:
Nein, Ihre Mission ist beendet. Jetzt beginnt auch für Sie der Urlaub. Den Koffer nehme ich mit. Sie
haben doch nichts herausgenommen, oder?

Hilde:
Doch, die komischen Zigaretten und von dem Bargeld zwei Bündel für die Bärbel und zwei für mich ...

Bärbel:
(unterbricht sie schnell; streichelt Thomas an der Brust)
Natürlich nichts! So schreibst du es zumindest ins Protokoll. Dann bleibt auch unter uns, dass er dir
die Pistole abgenommen hat und Hansi ihn zur Strecke gebracht hat.

Thomas:
Biest!
(kleinlaut)
Ok, nichts herausgenommen ...

Teresa:
(mit Oskar von links; bringt Tablett mit Sekt)
Und ich dachte immer, deutsche Touriste sind die einfachste Gäste ...

(jeder nimmt ein Glas)

Thomas:
Danke für Ihre Mithilfe!
(trinkt)
Ich muss leider mit ihm gehen.

Bärbel:
Hier ist meine Handynummer. Ich helf dir gerne bei deinem nächsten Fall.

Thomas:
Ich brauche jetzt erst mal meine drei Wochen Urlaub - und zwar mit meiner Frau. Aber danke für
die Unterstutzung.
(gibt ihr den Zettel mit der Telefonnummer zurück; zuckt mit den Schultern; gibt ihr die Hand)

Bärbel:
(abfällig)
Urlaub mit der eigenen Frau? Wie langweilig! Spießer!

Ritchi:
(rappelt sich langsam hoch)
Wo ... wo bin ich?

Thomas:
Da wo Sie hingehören, gleich im Knast! Mitkommen!

Chantal:
(von rechts mit Gepäck)
Ritchi, ich bin soweit. Gehen wir jetzt? Ich brauche auch noch Lippenstift und Makeup ...

Ritchi:
Lass mich in Ruhe, dumme Nuss!

Thomas:
Sie dürfen ihn gleich begleiten. Für Sie beide wartet in einem schönen Hotel mit Sprossen am
Fenster je ein Einzelzimmer mit Vollpension ...

Chantal:
Ritchi, warum nicht ein Doppelzimmer? Und gibt es in diesem Hotel auch ein Nagelstudio? Ritchi,
was ist das für ein Hotel?

Ritchi:
Schnauze, du geistiger Tiefflieger!

Chantal:
(sieht Handschellen)
Ritchi, was ist das? Geil, trägt man das jetzt als Modeschmuck? Kann ich das auch haben, Ritchi?

Thomas:
(legt ihr ebenfalls Handschellen an)
Aber sicher. Und einen Frisör gibt’s im Kaffee Gitter auch, er kann aber leider nur eine Frisur:
Glatze! Mitkommen!

(führt beide Mitte ab)

Hilde:
(gibt Angelo auch ein Bündel Geld)
Das habe ich vorhin noch aus dem Koffer genommen. Sie können es vielleicht brauchen ...

Angelo:
(baff; erfreut)
Signora seien wie eine Engel für Angelo ...
(umarmt sie und gibt ihr einen Kuss)

Hilde:
(entzückt)
Oh, der riecht aber gut - ganz im Gegensatz zu meinem Karl.
(zu Bärbel)
Wir bleiben noch! Der Karl muss ja nichts von Angelo erfahren.

Bärbel:
Hilde, das hätte ich dir nicht zugetraut! Klar, wir lassen es uns hier noch ein paar Tage gut gehen!
Vielleicht taucht ja doch noch eine gute Partie auf.

Hans-Martin:
(mit Renate von rechts; er trägt nun moderne Shorts und Hemd; sie trägt die Strandtasche; streng)
Renate, diese Liege! Faltenfrei!

Renate:
(empört)
Hans-Martin...

Hans-Martin:
(schaut sie scharf an)
Wie bitte?

Renate:
(kleinlaut)
Fa...fa...faltenfrei, Hans-Martin, selbstverständlich ...
(für sich)
Typisch Beamter, man kanns ja auch übertreiben!
(breitet Handtuch aus)

Bärbel:
(gibt Hilde einen Rippenstoß)
So schlecht sieht der gar nicht aus! Was meinst du?

Hans-Martin:
Ich bin raus!
(deutet auf Renate)
Die reicht!

Hilde:
Mit dem Angelo kann er sowieso nicht mithalten.
(säuselnd)
Angelo, bist du ab jetzt mein ... äh, personal ... äh, Bärbel, wie heißt das nochmal?

Bärbel:
Assistent!

Hans-Martin:
Angelo, für mich bitte ein Bier und für sie Mineralwasser.

Angelo:
Si, Signore.
(schenkt ein und serviert)

Renate:
(legt sich neben ihn; ängstlich)
Hans-Jochen, und wenn die Biester wieder kommen und mich auffressen wollen?

Hans-Martin:
Da haben sie lange zu tun!

Bärbel:
(zu Angelo)
Wie schade, Angelo, dass nichts aus uns geworden ist.

Angelo:
(lacht)
Nessun problema! Angelo seien schon vergeben.

Bärbel:
Oh! Darf man wissen, wie die Glückliche heißt?

Angelo:
Si! Er heißt Leandro!

Oskar:
(von links; mit einer Platte mit Häppchen)
So, eine Stärkung haben wir uns jetzt alle verdient.

(hält Hans-Martin die Platte hin; Renate will gleich davon nehmen)

Hans-Martin:
(haut ihr auf die Finger)
Renate! Musst du immer als erste zugreifen, du gieriges Weib!

Renate:
(kleinlaut)
Ist ja gut, Hans-Martin...

Oskar:
Hans-Martin, bei der Heimfahrt bleibt ein Platz frei.

Hans-Martin:
(deutet auf Renate)
Hab auch schon dran gedacht, dass wir sie einfach hierlassen!

Renate:
(weinerlich)
Ha...Ha...Hans-Martin, das kannst du doch nicht machen ...

Oskar:
Ich bleibe hier.

Bärbel:
(mustert ihn auffällig)
Na ja, zwar schon ein bisschen angestaubt, aber wenn kein Jüngerer mehr kommt ... warum nicht!
(legt ihren Arm um ihn)

Oskar:
(nimmt ihren Arm wieder weg)
Das Klima tut mir gut und mit der Teresa verstehe ich mich inzwischen bestens. Sie liest mir jeden
Wunsch von den Augen ab und verwöhnt mich - ganz im Gegensatz zu meiner Schwiegertochter!
Hier kann ich meinen Lebensabend gemütlich und mit viel Liebe verbringen!

Bärbel:
(verächtlich)
Bei dieser Dampfwalze? Na dann viel Spaß!

Angelo:
Gemütlich? Oh, ich habe große Zweifel.

Oskar:
Außerdem kann ich ihr ein bisschen helfen. Den Angelo kann sie ja nicht ewig hier
herumkommandieren. Der geht bald seine eigenen Wege.

Angelo:
(faltet Hände zum Himmel)
Mille grazie, Signor!

Teresa:
(von links; scharf)
Oskar! Oskar! Pigrone! Wo du bleiben schon wieder! Essen ist noch nicht fertig! Noch nicht
abgewaschen, noch nicht sauber gemacht ...
(schimpft auf Italienisch, zeigt Richtung Küche)

Oskar:
Mach nur so weiter, dann lass’ ich die Ameisen wieder kommen ...

Ende